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CyberMedienWirklichkeit

Virtuelle Welterschließungen · 2004 und 2026

Historische Verlagsanzeige

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Neues Telepolis-Buch über virtuelle Welten und Realität

CyberMedienWirklichkeit

"Ein anspruchsvolles Buch ohne die häufige Cyberhype, eben reflektiert und intellektuell." (Harald Pilzer, ekz-Informationsdienst 35/04)

Hannover, 13. April 2004 - Die weltumspannenden Datennetze beeinflussen zunehmend die Gesellschaft. Über Veränderungen in der realen Welt durch das Virtuelle berichtet Goedart Palm in seinem aktuellen Telepolis-Buch "CyberMedienWirklichkeit: Virtuelle Welterschließungen".

Als Geheimagent einen gefährlichen Auftrag ausführen und nebenbei die Welt retten. Neue Operationsverfahren ohne die Gefährdung des Patienten erproben. Die interessantesten Orte der Welt hautnah erleben, ohne dort zu sein. Der Cyberspace macht es möglich.

Von der Definition des Cyberspace, über die Bedeutung von E-Mail, PC-Spielen und Suchmaschinen bis hin zur Künstlichen Intelligenz beleuchtet der Autor kritisch den unaufhaltsamen Fortlauf des Virtuellen in unserer Gesellschaft.

Welche Bedeutung hat das Virtuelle für die Menschheit des 21. Jahrhundert? Ist das Virtuelle vom Realen noch unterscheidbar? Endet die Menschheit in der Matrix oder lebt sie längst in einer? Goedart Palm hat auf Grundlage von "Telepolis-Recherchen" Antworten auf diese Fragen erarbeitet.

Zielgruppe: technisch und gesellschaftspolitisch Interessierte

Der Autor: Goedart Palm, geboren in Köln. Studium der Philosophie, Rechtswissenschaften und Kunstgeschichte. Vorträge und zahlreiche Texte zu Medien, Krieg und Kunst.

Bibliografische Angaben:
CyberMedienWirklichkeit: Virtuelle Welterschließungen
Telepolis 2004, 240 Seiten, Broschur
Euro 19,00 (D) / ISBN 3-936931-17-8

Rezensions-Exemplare können beim dpunkt.verlag GmbH in Heidelberg telefonisch unter 06221/1483-24 oder per Fax unter 0 62 21/14 83-99 abgefordert werden.

Bildmaterial: Das Titelbild steht zum Download bereit.

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Antje Nicklas
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Florian Rötzer
Redaktion Telepolis
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Rezeption und wissenschaftliche Bezugnahmen

Bernhard Irrgang
Internetethik: Philosophische Versuche zur Kommunikationskultur im Informationszeitalter, 2011, S. 77 ff. Das Buch wird im Zusammenhang einer philosophischen Ethik der Internet- und Kommunikationskultur herangezogen.
Ricarda Drüeke
Rezension zu CyberMedienWirklichkeit. Virtuelle Welterschließungen, International Review of Information Ethics, Vol. 3, Juni 2005. DOI 10.29173/irie354.
Klaus Kohlmann
Der computeranimierte Spielfilm. Forschungen zur Inszenierung und Klassifizierung des 3-D-Computer-Trickfilms, 2007, unter anderem S. 150 und S. 239. Die Dissertation greift Palms Überlegungen zu Kameraauge, virtueller Bilderzeugung und dem Verhältnis von Film, Simulation und Wirklichkeit auf.
Joan Kristin Bleicher
Im Grundlagenseminar Grundlagen der Medien: Internet an der Universität Hamburg, Wintersemester 2013/14, wurde CyberMedienWirklichkeit als Zusatzlektüre geführt. Veranstaltungsnachweis.

CyberMedienWirklichkeit – zwanzig Jahre später

Als CyberMedienWirklichkeit. Virtuelle Welterschließungen 2004 erschien, war die Rede von virtuellen Welten noch stark an den Computerbildschirm gebunden. Cyberspace, Suchmaschinen, Computerspiele, E-Mail und künstliche Intelligenz erschienen als unterschiedliche Phänomene einer technischen Entwicklung, deren gemeinsamer Zug sich erst allmählich erkennen ließ. Mich interessierte schon damals weniger die jeweilige Apparatur als die eigentümliche Verschiebung des Wirklichkeitsbegriffs, die mit ihr einherging. Das Virtuelle war nicht einfach das Unwirkliche und auch keine zweite, von der eigentlichen Welt sauber getrennte Sphäre. Es begann vielmehr, in die Bedingungen einzudringen, unter denen Wirklichkeit wahrgenommen, beschrieben, erinnert und schließlich auch hergestellt wird.

Der Titel CyberMedienWirklichkeit war deshalb durchaus wörtlich gemeint. Die drei Bestandteile ließen sich schon damals nicht mehr ordentlich auseinanderhalten. Das Technische erzeugte Medien, die Medien veränderten Wirklichkeit, und diese veränderte Wirklichkeit schuf wiederum neue technische Erwartungen. Was zunächst wie eine Verdopplung der Welt erschien, erwies sich zunehmend als Rückkopplung. Menschen bewegten sich zwischen materiellen und virtuellen Räumen, bauten digitale Identitäten auf, übertrugen Erinnerungen an Maschinen, ließen Suchmaschinen ihre Zugänge zum Wissen ordnen und begannen, einen immer größeren Teil ihrer sozialen Wirklichkeit in technisch erzeugten Umgebungen zu organisieren.

Aus heutiger Sicht wirkt manches daran beinahe vorsichtig. Was 2004 noch als Frage formuliert werden musste, ist inzwischen Alltag geworden. Das Smartphone begleitet den Körper, Plattformen organisieren Öffentlichkeit, Navigationssysteme überlagern den geographischen Raum mit berechneten Modellen, Bilder werden nicht nur bearbeitet, sondern synthetisch erzeugt, und künstliche Intelligenz ist aus der Rolle eines Gegenstands der Zukunftsspekulation herausgetreten. Sie schreibt, analysiert, programmiert, übersetzt und produziert Bilder, wobei die Grenze zwischen Werkzeug und Mitproduzent zunehmend schwerer mit den alten Begriffen zu erfassen ist.

Gerade deshalb würde ich das Buch heute nicht als Dokument einer vergangenen Internetepoche lesen. Interessanter ist, dass sich die darin behandelte Verschiebung der Wirklichkeit inzwischen erheblich radikalisiert hat. Das Virtuelle steht der Wirklichkeit nicht gegenüber. Es greift in sie ein, strukturiert ihre Wahrnehmung und produziert Handlungsräume, in denen reale Entscheidungen getroffen werden. Ein Bankkonto, eine digitale Identität, ein algorithmisch organisierter Informationsraum oder eine virtuelle Bildwelt sind nicht deshalb folgenlos, weil man sie nicht anfassen kann. Die alte Opposition von real und virtuell war schon damals zu grob und ist heute kaum noch zu halten.

Mit der generativen KI kommt allerdings eine weitere Bewegung hinzu. Lange konnte man virtuelle Welten noch als technische Nachbildungen, Simulationen oder Erweiterungen einer vorgängigen Wirklichkeit verstehen. Nun entstehen Texte, Bilder, Stimmen und Räume, für die kein entsprechendes Original mehr vorausgesetzt werden muss. Die Maschine reproduziert nicht nur, sondern eröffnet Möglichkeitsräume. Der Mensch gibt Richtungen vor, formuliert Prompts, setzt Bedingungen und erhält Resultate, deren konkrete Gestalt er selbst nicht vollständig antizipiert hat. Gerade die virtuelle Fotografie zeigt mir inzwischen besonders deutlich, dass synthetische Bildproduktion keineswegs notwendig in der Wiederholung vorhandener Vorstellungen aufgeht. Man öffnet eine Wundertüte, deren Inhalt durch die eigenen Vorgaben mitbestimmt ist und einen trotzdem überraschen kann.

Damit verändert sich auch die Frage nach Autorschaft. Sie verschwindet nicht, aber sie verteilt sich anders. Der Mensch entwirft, wählt aus, verwirft, korrigiert und erkennt ästhetische Möglichkeiten, während technische Systeme Variationen hervorbringen, die in dieser konkreten Form zuvor in keinem menschlichen Bewusstsein vorhanden gewesen sein müssen. Diese Konstellation ist weder mit der alten Vorstellung des souveränen schöpferischen Genies noch mit dem ebenso einfachen Bild einer Maschine zu erfassen, die lediglich Befehle ausführt. Zwischen Vorstellung und Ergebnis ist ein neuer Raum entstanden.

Gerade darin sehe ich heute eine Fortsetzung jener Frage, die mich schon bei CyberMedienWirklichkeit interessierte. Technik fügt der vorhandenen Welt nicht einfach neue Gegenstände hinzu. Sie verändert den Raum dessen, was überhaupt wahrgenommen, gedacht und hervorgebracht werden kann. Eine Suchmaschine war deshalb nie nur ein schnellerer Bibliothekskatalog, so wenig wie generative KI nur ein schnellerer Pinsel oder eine besonders komfortable Schreibmaschine ist. Solche Technologien greifen in die Ordnung der Möglichkeiten ein.

Der alte Begriff des Cyberspace wirkt inzwischen fast rührend räumlich. Er suggerierte noch einen Ort, den man betritt und anschließend wieder verlassen kann. Die gegenwärtige Medienwirklichkeit kennt diese klare Schwelle immer weniger. Das Netz befindet sich nicht mehr dort und wir hier. Seine Selektionsmechanismen, Speicher, Karten, Bilder, Kommunikationsformen und künstlichen Intelligenzen sind längst Bestandteile jener Wirklichkeit geworden, aus der heraus wir überhaupt bestimmen, was für uns wirklich ist.

Deshalb interessiert mich das Buch heute weniger als Prognose, deren einzelne Treffer man nach zwanzig Jahren abhaken könnte. Prognosen altern schnell. Interessanter ist die damalige Grundfrage nach der Beziehung zwischen technischer Konstruktion und Wirklichkeit. Sie ist nicht erledigt worden, sondern hat sich verschärft. Inzwischen müssen wir nicht mehr nur fragen, was geschieht, wenn Menschen virtuelle Welten betreten. Wir müssen fragen, was geschieht, wenn technisch erzeugte Welten, Bilder und Intelligenzen ihrerseits beginnen, die Bedingungen unserer Wirklichkeitsbeschreibung mitzugestalten.

Genau an dieser Stelle verbindet sich das Buch von 2004 mit meinen heutigen Arbeiten über künstliche Intelligenz, virtuelle Fotografie und die technische Transformation des Menschen. Die Entwicklung führt nicht einfach aus der Wirklichkeit hinaus. Sie führt tiefer in die Frage hinein, was wir überhaupt Wirklichkeit nennen und wie viel davon schon immer Konstruktion, Auswahl, Medium und Modell gewesen ist. CyberMedienWirklichkeit bezeichnet damit weniger eine vergangene Phase des Internets als ein Problem, das inzwischen erst seine eigentliche Größe erreicht hat.