Medientheorie · Krieg · digitale Systeme

Der Krieg, der seine Metaphern eingeholt hat

Cyberwar, hybride Kriegführung und die technische Organisation materieller Gewalt.

Als dieser Text entstand, war „Cyberwar“ noch ein Begriff mit einem erheblichen Anteil Science-Fiction, weil sich zwar bereits abzeichnete, dass elektronische Angriffe, digitale Sabotage, vernetzte Propaganda und automatisierte Informationsverarbeitung militärische Konflikte verändern würden, zugleich aber noch keineswegs klar war, ob daraus tatsächlich ein eigenständiger Kriegstyp entstehen oder ob sich der digitale Raum lediglich als zusätzliche technische Schicht über die bekannten Formen militärischer Gewalt legen würde. Gerade diese Unbestimmtheit machte die Übertreibung attraktiv, denn wo die technische Realität noch nicht hinreichend konturiert war, konnte die Sprache sie probeweise ins Groteske treiben.

So entstand jene Hypermikrosatire, in der Militärjargon, Science-Fiction, Mythologie, Theologie, Medientheorie, Popkultur und technische Neologismen so ineinandergeschoben wurden, dass die Sprache selbst den Zustand simulierte, den sie beschrieb. „Virtualitätsartillerie“, „Powerhacker“, „Desinfo-Tarnfische“, „Irreality-TV“, „Datenschlammkontamination“ und eine videosüchtige Heimatfront bildeten keine systematische Zukunftsprognose, sondern eine bewusst übersteuerte Sprachmaschine, deren Komik gerade daraus entstand, dass sie eine Ordnung entwarf, in der technische, militärische und mediale Ebenen nicht mehr sauber voneinander zu trennen waren.

Rückblickend wäre es zu einfach, daraus eine Prophetengeschichte zu machen. Der Text hat weder Stuxnet vorausgesagt noch die russischen Operationen gegen Estland, die digitale Flankierung des Georgienkriegs, Starlink über der Ukraine, die industrielle Produktion von FPV-Drohnen oder den Einsatz generativer Systeme in Informationsoperationen vorhergesehen. Interessanter ist, dass er eine strukturelle Verschiebung erfasste, deren konkrete technische Ausprägungen damals noch offen waren. Krieg würde sich nicht einfach aus der physischen Welt in einen digitalen Raum verlagern, sondern der digitale Raum würde in die bestehenden Formen von Gewalt, Wahrnehmung, Kommunikation und Entscheidung einsickern, bis die Unterscheidung zwischen „wirklichem Krieg“ und „Cyberkrieg“ selbst fragwürdig würde.

Hypersurreales fliegendes Auge als Drohnen- und Waffensystem über einem zerstörten, technisch vermessenen Schlachtfeld
Flying Eye – Auge, Flugkörper und Zielsystem über dem digitalisierten Schlachtfeld. KI-generierte Bildarbeit, 2026.

Die frühe Vorstellung vom Cyberkrieg folgte noch stark einer dualistischen Raumlogik. Hier standen Panzer, Flugzeuge, Soldaten und zerstörte Gebäude, dort Computer, Hacker und Netze. Der Cyberspace erschien als ein zusätzlicher Operationsraum neben Land, See und Luft, was solange plausibel blieb, wie auch das Internet selbst als besonderer Ort wahrgenommen wurde, den man betrat, sobald man sich an einen Rechner setzte. Inzwischen ist nicht nur das Internet aus dem Computer herausgetreten. Auch der Cyberkrieg hat den Computerraum verlassen und ist in jene Infrastrukturen eingewandert, die industrielle Gesellschaften, Verwaltungen, Verkehrsnetze, Kommunikationssysteme und militärische Prozesse überhaupt funktionsfähig halten.

Die Angriffe auf Estland im Jahr 2007 gehören zu den frühen politischen Ereignissen, an denen diese Verschiebung sichtbar wurde. Die massiven Distributed-Denial-of-Service-Attacken, die staatliche Webseiten, Medien, Banken und andere digitale Dienste trafen, machten deutlich, dass gesellschaftliche Digitalisierung nicht nur Effizienz, sondern auch neue Formen systemischer Verwundbarkeit erzeugt. Gerade weil Estland seine Verwaltung und sein Wirtschaftsleben früh weitgehend digital organisiert hatte, konnten Angriffe auf Netzwerke eine gesellschaftliche Wirkung entfalten, die über den engen technischen Bereich hinausging. Die Ereignisse wurden deshalb zu einem institutionellen Wendepunkt für die europäische und atlantische Cyberabwehr.

Noch deutlicher wurde die Verschränkung von digitaler und physischer Gewalt im russisch-georgischen Krieg von 2008, weil Cyberoperationen nun nicht mehr nur als eigenständige Störung auftraten, sondern parallel zu konventionellen militärischen Handlungen eingesetzt wurden. Digitale Angriffe auf Kommunikations- und Informationsstrukturen begleiteten die kinetische Kriegführung und deuteten damit bereits jene operative Integration an, die später für hybride Konflikte charakteristisch werden sollte.

Mit Stuxnet wurde die Grenze zwischen digitaler Manipulation und materieller Wirkung noch grundsätzlicher problematisch, weil Schadsoftware nicht länger nur Informationen stahl, Dienste blockierte oder Kommunikationswege störte, sondern industrielle Prozesse so beeinflussen konnte, dass physische Anlagen beschädigt wurden. Damit wurde offensichtlich, dass Code nicht lediglich den Informationsraum verändert, sondern unter geeigneten Bedingungen in die materielle Welt eingreifen kann. Der digitale Angriff endete nicht mehr im Digitalen.

Der Krieg gegen die Ukraine hat diese Entwicklung qualitativ verdichtet, weil Cyberangriff, elektronische Kriegführung, Satellitenkommunikation, kommerzielle Aufklärung, soziale Medien, Drohnenoperationen und konventionelle Waffengewalt inzwischen so eng ineinandergreifen, dass ihre analytische Trennung immer künstlicher wirkt. Bereits vor dem russischen Großangriff vom Februar 2022 waren kommerzielle Satellitenbilder öffentlich verfügbar, auf denen Truppenbewegungen und militärische Konzentrationen verfolgt werden konnten. Fähigkeiten, die im Kalten Krieg noch im exklusiven Bereich staatlicher Nachrichtendienste lagen, wurden damit teilweise Bestandteil einer offenen Informationsumgebung, in der zivile Analysten, Journalisten und spezialisierte Communities operative Entwicklungen nachvollziehen konnten.

Das verändert nicht nur Nachrichtendienste, sondern die Epistemologie des Krieges selbst. Im klassischen Modell wusste der Staat weit mehr über das Schlachtfeld als die Öffentlichkeit, während diese auf nachträgliche Berichte angewiesen war. Heute können Satellitenbilder, Videos, Geolokalisierung, soziale Netzwerke und andere öffentlich zugängliche Daten dazu beitragen, Truppenbewegungen zu rekonstruieren, Schäden zu bewerten oder einzelne Ereignisse zu überprüfen. Das staatliche Informationsmonopol wird dadurch nicht aufgehoben, aber relativiert. Gerade darin liegt eine zentrale Dialektik, weil die zunehmende Sichtbarkeit Desinformation erschweren kann, während dieselbe Informationsfülle zugleich ein Umfeld erzeugt, in dem manipuliertes, dekontextualisiertes oder absichtlich falsch eingeordnetes Material mit enormer Geschwindigkeit zirkuliert. Der Krieg wird transparenter und unübersichtlicher zugleich.

Starlink hat diese Verschmelzung von privater Infrastruktur, ziviler Technologie und militärischer Operation noch deutlicher gemacht. Nach Beginn des russischen Großangriffs wurden Zehntausende Terminals in der Ukraine bereitgestellt, wodurch Kommunikationsfähigkeit auch dort erhalten werden konnte, wo terrestrische Infrastruktur beschädigt oder zerstört war. Über solche Verbindungen lassen sich militärische Kommunikation, Informationsaustausch und dezentrale Koordination aufrechterhalten. Kommerzielle Raumfahrtinfrastruktur wird damit faktisch Bestandteil militärischer Kommunikationsfähigkeit, obwohl sie weder staatlich kontrolliert noch ursprünglich als militärische Infrastruktur konzipiert wurde.

Damit entsteht ein Problem, das klassische Kategorien von ziviler und militärischer Infrastruktur nur noch unzureichend erfassen. Ein privates Satellitennetz kann Krankenhäuser, Haushalte und militärische Einheiten gleichzeitig verbinden. Ein kommerzielles Satellitenunternehmen kann Daten für Landwirtschaft, Versicherungswirtschaft, Journalismus und militärische Aufklärung bereitstellen. Eine zivile Drohne kann an einem Tag zivile Bildaufnahmen erzeugen und am nächsten militärisch modifiziert als Aufklärungs- oder Angriffssystem dienen.

Gerade die Drohne ist deshalb weit mehr als ein Sensorträger oder ein neues Bildmedium. Sie ist ein eigenständiges Waffensystem, dessen militärische Bedeutung daraus entsteht, dass Aufklärung, Zielerfassung, Navigation, Datenübertragung, Steuerung und physische Wirkung technisch eng miteinander gekoppelt werden. Je nach Bauart kann sie beobachten, Ziele markieren, Koordinaten liefern, Munition abwerfen, als loitering munition über einem Gebiet kreisen oder als FPV-System unmittelbar in ein Ziel gesteuert werden. Damit wird die Drohne nicht nur Bestandteil einer sogenannten Kill Chain, sondern kann mehrere ihrer Stufen selbst integrieren.

Der Panzer verkörperte die industrielle Kriegführung des 20. Jahrhunderts, weil in ihm Masse, Feuerkraft, Motorisierung und Schutz zusammengeführt wurden. Die Drohne verkörpert die digitalisierte Kriegführung des 21. Jahrhunderts, weil in ihr Sensorik, Datenverbindung, Navigation, Echtzeitbild, Fernsteuerung und Wirkung verschaltet werden. Sie ist Aufklärungsmittel und Waffe, Plattform und Projektil, Auge und Effektorsystem zugleich.

Gerade darin liegt ihre militärische und medientheoretische Bedeutung. Eine Aufklärungsdrohne entdeckt ein Ziel und übermittelt dessen Position an andere Waffensysteme. Eine bewaffnete Drohne kann nach der Identifikation selbst wirken. Eine FPV-Drohne kombiniert in besonders unmittelbarer Form Kamera, Steuerung und Sprengladung, weil der Pilot das Zielbild in Echtzeit erhält und das System bis zum Einschlag lenkt. Der Weg vom Erkennen zum Bekämpfen wird dadurch verkürzt, weil die Wahrnehmung des Ziels und seine Zerstörung technisch in einen gemeinsamen Prozess eingebunden werden.

Der Krieg wird dadurch zu einer permanenten Bildproduktion, wobei diese Formulierung nicht metaphorisch gemeint ist. Aufklärungsdrohnen erzeugen kontinuierlich Video- und Bilddaten, hoch fliegende Systeme erfassen größere Räume, kleinere Multicopter beobachten einzelne Stellungen und FPV-Drohnen übertragen dem Piloten das unmittelbare Zielbild. Diese verschiedenen Ebenen können mit Satellitenbildern, Karten, Funkaufklärung und anderen Datenquellen kombiniert werden. Computer Vision und maschinelle Bildanalyse können dazu beitragen, Fahrzeuge, Waffenstellungen oder Bewegungsmuster in dieser Datenmenge zu erkennen und zu klassifizieren.

Damit kehrt das alte „Flying Eye“ in einer Form zurück, die die satirische Übertreibung beinahe moderat erscheinen lässt. Das Auge schwebt nicht mehr als einzelne technische Instanz über dem Schlachtfeld, sondern vervielfältigt sich in Tausende billiger Sensor- und Waffenträger, deren Bilder unmittelbar in operative Entscheidungen und physische Wirkung eingehen.

Hypersurreale Collage aus Drohnen, Flugzeug, Auge, Kabeln, Sensorik, Zielmarkierungen, Artillerie und brennendem Schlachtfeld
Sensorik, Steuerung, Datenübertragung und physische Wirkung verschmelzen zu einem Waffensystem. KI-generierte Bildarbeit, 2026.

Die besondere Bedeutung der FPV-Drohne liegt dabei nicht nur in ihrer technischen, sondern auch in ihrer ökonomischen Stellung. Sie ist vergleichsweise billig, kann in großer Zahl produziert werden und ermöglicht es, Ziele anzugreifen, deren Bekämpfung mit klassischen Präzisionswaffen erheblich teurer wäre. Dadurch verschiebt sich die Ökonomie des Gefechtsfeldes. Ein System, dessen einzelne Komponenten ursprünglich aus ziviler Unterhaltungselektronik stammen, kann mit einer Sprengladung versehen und gegen Fahrzeuge, Stellungen, Logistik oder einzelne Soldaten eingesetzt werden. Die Wirkung entsteht nicht aus technologischer Exklusivität, sondern aus Masse, niedrigen Stückkosten, kurzer Innovationszeit und enger Verbindung von Frontfeedback und Produktion.

Gerade diese massenhafte Verfügbarkeit macht die Drohne zu einer strukturellen Waffe. Sie verändert nicht nur einzelne Angriffe, sondern das Verhalten ganzer Verbände. Fahrzeuge müssen häufiger gedeckt bewegt werden, Stellungen werden stärker getarnt, Bewegungen bei Tageslicht riskanter, Versorgungswege exponierter und selbst kurze Aufenthalte im offenen Gelände können durch die permanente Präsenz unbemannter Systeme gefährlich werden. Die Drohne wirkt damit nicht erst beim Einschlag. Ihre bloße potenzielle Anwesenheit verändert Taktik, Bewegungsfreiheit und Zeitplanung.

Auch hier erzeugt jede technische Lösung ihre Gegenbewegung. Elektronische Kriegführung kann Funkverbindungen stören, Navigationssignale beeinträchtigen und damit den Einsatz klassischer FPV-Systeme erschweren. Darauf reagieren beide Seiten mit neuen technischen Verfahren. Faseroptisch gesteuerte Drohnen umgehen einen Teil dieser Störmaßnahmen, indem Steuerdaten nicht mehr ausschließlich über Funk übertragen werden. Die hochgradig digitalisierte Waffe erhält dadurch eine physische Nabelschnur, weil der elektromagnetische Raum selbst zum umkämpften Operationsraum geworden ist.

Damit verändert sich auch die Front. Sie ist nicht länger nur eine geographische Linie zwischen territorial kontrollierten Räumen, sondern besteht zunehmend aus überlappenden Zonen von Sichtbarkeit, Reichweite, Funkabdeckung, elektronischer Störung und präziser Wirkung. Wer gesehen werden kann, kann getroffen werden. Wer senden muss, kann lokalisiert werden. Wer stört, erzeugt wiederum eine elektronische Signatur. Das Gefechtsfeld wird dadurch optisch, elektromagnetisch und informationell zugleich.

In diesem Zusammenhang verliert der Begriff „Cyberwar“ seine frühere Eindeutigkeit. Eine Drohne ist keine Cyberwaffe im engen Sinn, ebenso wenig wie ein Artilleriegeschoss. Wenn jedoch eine Drohne ein Ziel entdeckt, dessen Koordinaten über ein digitales Netz übertragen werden, Software die Information verarbeitet, ein Feuerleitsystem die Daten übernimmt und anschließend Artillerie oder eine bewaffnete Drohne wirkt, lässt sich die resultierende Gewalt kaum noch sinnvoll in einen digitalen und einen physischen Teil zerlegen.

Der moderne Krieg ist nicht virtuell geworden. Die Virtualität ist in die materielle Kriegführung eingewandert und fungiert dort als eine ihrer organisatorischen Voraussetzungen.

Das gilt ebenso für das Verhältnis zwischen Krieg und Zuschauer. Die FPV-Drohne produziert nicht nur ein militärisch relevantes Bild. Sie produziert ein Bild aus der Perspektive des Waffensystems. Der Betrachter sieht die Annäherung an ein Fahrzeug, einen Schützengraben oder eine Stellung häufig bis unmittelbar vor dem Einschlag. Damit entsteht ein Bildtypus, den frühere Kriege in dieser Form kaum kannten.

Medientheoretisch bedeutet dies, dass Beobachtung, Angriff und Dokumentation in ein und demselben technischen Prozess zusammenfallen können. Traditionell wurde der Krieg überwiegend vor oder nach der Gewalthandlung fotografiert. Man sah Soldaten vor dem Angriff oder Ruinen danach. Die Drohnenkamera kann hingegen die Annäherung an das Ziel, die operative Steuerung und die Dokumentation der Wirkung in einem einzigen Datenstrom verbinden. Das Bild ist nicht mehr nur Repräsentation des Angriffs, sondern Teil des Steuerungsprozesses, durch den der Angriff überhaupt erst vollzogen wird.

Diese Bilder verbleiben häufig nicht im militärischen System, sondern zirkulieren über soziale Netzwerke weiter, wo sie Beweis, Propagandamaterial, taktische Demonstration und Unterhaltungselement zugleich werden können. Militärische Wirkung und mediale Wiederverwertung sind nicht identisch, können aber aus demselben technischen Vorgang hervorgehen. Die „videosüchtelnde Heimatfront“ der alten Satire war noch Publikum. Das heutige Publikum ist zugleich Distributor, weil jedes Teilen, Kommentieren und algorithmische Weiterreichen Teil einer sekundären Zirkulation wird, in der der Angriff nach seinem militärischen Abschluss eine politische und mediale Nachwirkung entfaltet.

Russische Informationsoperationen lassen sich deshalb nicht sinnvoll als nachträgliche Propagandaschicht neben dem militärischen Geschehen verstehen. Sie gehören zu einer umfassenderen Strategie, Wahrnehmungen, Zuschreibungen und politische Handlungsräume zu beeinflussen. Der Begriff der Desinformation bleibt dabei enger als das tatsächliche Problem, weil eine moderne Informationsoperation nicht darauf angewiesen ist, eine einzige falsche Erzählung allgemein durchzusetzen. Sie kann ebenso unterschiedliche und sogar widersprüchliche Narrative gleichzeitig verbreiten, sofern dadurch Vertrauen in verlässliche Informationen geschwächt wird.

Die strategische Wirkung liegt dann nicht in der Ersetzung einer Wahrheit durch eine bestimmte Lüge, sondern in der Destabilisierung jener epistemischen Voraussetzungen, unter denen Aussagen überhaupt noch als gemeinsam überprüfbar gelten. Genau an diesem Punkt gewinnt generative KI militärische und politische Bedeutung, weil die Herstellung synthetischer Texte, Stimmen, Bilder und Videos billiger, schneller und skalierbarer wird und damit nicht nur spektakuläre Einzelfälschungen, sondern die massenhafte Variation von Narrativen ermöglicht.

Generative Systeme industrialisieren damit nicht nur die Produktion des Falschen, sondern die Produktion von Variation. Noch problematischer ist, dass die Verbreitung synthetischer Medien auch den Status authentischer Bilder verändert. Je plausibler Fälschungen werden, desto leichter kann echtes Material als mögliche Manipulation zurückgewiesen werden. Die technische Möglichkeit des Falschen beschädigt dadurch den Beweiswert des Echten.

Dunkle dystopische Collage aus Gesichtern, Bildschirmen, Kriegsbildern, Drohnen und algorithmischen Verbindungslinien
Videosüchtelnde Heimatfront – Kriegsbilder zwischen Beobachtung, Zirkulation und algorithmischer Verstärkung. KI-generierte Bildarbeit, 2026.

Was in der alten Satire als „Datenschlammkontamination“ erschien, bezeichnet inzwischen ein reales Strukturproblem digitaler Öffentlichkeiten. Der Informationsraum kann so stark mit konkurrierenden Behauptungen, manipulierten Fragmenten, automatisierten Stimmen und synthetischen Bildern angefüllt werden, dass die Unterscheidung zwischen wahr und falsch immer größere Prüfungsleistungen verlangt. Gleichzeitig entsteht ausgerechnet in diesem kontaminierten Raum eine neue Kultur der Verifikation, in der OSINT-Analysten Gebäude anhand von Straßenverläufen, Vegetation oder Schatten geolokalisieren, Satellitenbilder mit Aufnahmen vom Boden vergleichen und Metadaten, Wetterinformationen und Karten nutzen, um Behauptungen zu bestätigen oder zu widerlegen.

Die Dialektik ist grundlegend, weil noch nie einer breiten Öffentlichkeit so viele Informationen über einen laufenden Krieg zur Verfügung standen, während dieselbe Öffentlichkeit zugleich mit einer derart großen Menge manipulierter, kontextloser oder synthetisch erzeugter Inhalte konfrontiert werden kann. Der digitalisierte Krieg produziert Transparenz und Verdunkelung aus denselben technischen Voraussetzungen.

Auch die Rolle privater Unternehmen lässt sich in den klassischen Kategorien von Krieg und Staat nur noch unzureichend erfassen. SpaceX stellt Kommunikationsinfrastruktur bereit, kommerzielle Satellitenunternehmen liefern Aufklärungsdaten, private Sicherheitsunternehmen analysieren Cyberangriffe und Hersteller ziviler Drohnen finden ihre Produkte in militärischen Nutzungskontexten wieder. Cloud-Dienste, Plattformunternehmen und Telekommunikationsanbieter werden damit zu Bestandteilen eines Konflikts, ohne militärische Organisationen im klassischen Sinn zu sein.

Das verändert Souveränität, weil Staaten Krieg zunehmend auf technischen Infrastrukturen führen, die ihnen nicht vollständig gehören. Der industrialisierte Staat konnte wesentliche Teile seiner militärischen Produktions- und Kommunikationsmittel stärker in nationale Strukturen einbinden. Der digitalisierte Staat operiert dagegen teilweise auf globalen Satellitennetzen, Cloud-Infrastrukturen und Plattformen, deren Eigentümer private Unternehmen sind und deren strategische Entscheidungen sich nicht vollständig in militärische Befehlsketten integrieren lassen.

Cyberwar ist deshalb inzwischen kein hinreichender Oberbegriff mehr. Auch der Begriff des hybriden Krieges bleibt nur dann brauchbar, wenn er nicht als bloße Addition verschiedener Instrumente verstanden wird. Entscheidend ist nicht, dass neben Panzern auch Hacker und neben Artillerie auch Propaganda eingesetzt werden, sondern dass diese Systeme operativ gekoppelt werden.

Düstere Informationslandschaft aus Augen, Karten, Archiven, Zielmarkierungen, Datenfragmenten und zerstörter technischer Infrastruktur
Datenschlammkontamination – reale und synthetische Bilder in einer epistemisch verwüsteten Informationslandschaft. KI-generierte Bildarbeit, 2026.

Die Drohne sieht und wirkt, das Satellitennetz verbindet, die Software verarbeitet, elektronische Kriegführung stört, OSINT ergänzt oder überprüft Informationen, Algorithmen priorisieren, Artillerie und andere Waffensysteme greifen an, das Angriffsvideo dokumentiert, Plattformen verbreiten, Propaganda interpretiert und das Publikum reagiert, wodurch wiederum neue Daten und neue Formen von Sichtbarkeit entstehen. Diese Vorgänge bilden keinen linearen Ablauf, sondern Rückkopplungsschleifen, in denen Wahrnehmung, Entscheidung, Wirkung und Darstellung technisch und sozial ineinandergreifen.

Genau darin liegt die Transformation vom imaginären Cyberwar zum gegenwärtigen hybriden Krieg. Daten berichten nicht mehr lediglich über militärische Wirklichkeit, sondern greifen in deren Produktion ein. Der Soldat bewegt sich nicht nur durch Gelände, sondern durch einen Raum möglicher Sensorerfassung. Der Kommandeur betrachtet nicht nur Karten, sondern laufend aktualisierte Datenströme. Die Drohne fliegt nicht nur über ein Ziel, sondern ist selbst Teil der Kette, die zwischen Erkennen und Zerstören vermittelt oder beides in einem Waffensystem zusammenführt.

Damit kehrt auch die alte Frage nach Simulation und Wirklichkeit unter veränderten Bedingungen zurück. Baudrillards bekannte These, der Golfkrieg habe „nicht stattgefunden“, war keine Leugnung realer Gewalt, sondern eine radikale Diagnose darüber, dass die mediale Repräsentation für das westliche Publikum eine eigene Wirklichkeit erzeugte, die sich vom tatsächlichen Geschehen erheblich entfernen konnte.

Heute reicht diese Gegenüberstellung zwischen Ereignis und Repräsentation nicht mehr aus, weil das Bild selbst in die Kausalkette des militärischen Ereignisses eintreten kann. Die Drohnenkamera zeigt das Ziel, damit es getroffen werden kann. Das Satellitenbild zeigt eine Truppenbewegung, damit aus ihr operative Schlüsse gezogen werden können. Das Video eines Angriffs dokumentiert seine Wirkung und kann gleichzeitig Bestandteil einer Informationsoperation werden. Das digitale Bild steht damit nicht mehr ausschließlich nach dem Ereignis, sondern kann Voraussetzung und Bestandteil des Ereignisses werden.

An diesem Punkt hat der Krieg seine alten Cybermetaphern eingeholt. Die „Virtualitätsartillerie“ der Satire musste noch so genannt werden, weil die Verbindung zwischen virtueller und physischer Wirkung grotesk erscheinen sollte. Heute ist es technisch banal, dass digitale Koordinaten, Bilddaten, Sensorinformationen und Netzwerkkommunikation in physische Zerstörung übersetzt werden.

Das „Flying Eye“ ist kein mythologischer Apparat mehr, sondern ein massenhaft produziertes Aufklärungs- oder Waffensystem. Die „videosüchtelnde Heimatfront“ trägt das Empfangsgerät in der Tasche. Die „Desinfo-Tarnfische“ können automatisiert erzeugt und millionenfach variiert werden. Der elektronische Raum ist kein alternatives Schlachtfeld mehr, sondern eine der Bedingungen, unter denen das physische Schlachtfeld funktioniert.

Der Cyberwar hat sich damit nicht als eigenständiger Kriegstyp durchgesetzt. Gerade sein Erfolg hat den Begriff teilweise überflüssig gemacht. Sobald moderne militärische Operationen systematisch von digitalen Kommunikations-, Sensor-, Navigations-, Informations- und Auswertungssystemen abhängen, bezeichnet „Cyber“ nicht mehr eine Sonderform des Krieges, sondern einen Bestandteil seiner allgemeinen technischen Verfassung.

Die Drohne macht diese Entwicklung sichtbar wie kaum ein anderes Waffensystem, weil in ihr die unterschiedlichen Ebenen des digitalisierten Krieges materiell zusammenlaufen. Sie kann aufklären, verfolgen, Zielkoordinaten liefern, eine Sprengladung tragen, als loitering munition auf ein Ziel warten oder als FPV-System selbst zum gelenkten Flugkörper werden. Zugleich produziert sie den Bildstrom, über den ihre militärische Wirkung vorbereitet, gesteuert und anschließend dokumentiert werden kann. In ihr fallen Wahrnehmung, Kommunikation, Fernwirkung und mediale Darstellung zusammen, ohne dass diese Funktionen noch sauber voneinander getrennt werden könnten.

Der Krieg der Zukunft wird deshalb nicht dadurch virtueller, dass er weniger materiell wird. Er wird gerade dadurch materiell wirksamer, dass virtuelle Systeme immer tiefer in die Organisation seiner Gewalt eingreifen. Darin liegt die Dialektik des digitalisierten Krieges: Je immaterieller seine Informationsstrukturen erscheinen, desto unmittelbarer können ihre materiellen Folgen werden.

Dokumentarische Zäsur

Historisches Dokument – Cyberwar

Eine Hypermikrosatire, von deren Unwahrscheinlichkeit alle Hoffnungsfrohen überzeugt sind und die nur aus apotropäischen Gründen erzählt wird. Allen SF-Geschädigten zugeeignet, die zwar Sirius kennen, nicht aber ihre städtische Leihbibliothek mit frei zugänglichen Klassikern.

Das Visuakel von Del Phi Tron hat die kleine Geschichte, die ich euch erzähle, bereits drei Echzeiträume früher auf den Lichtschirmen von Rest-Terra projiziert - jenen winzigen Gefängnisplaneten, auf dem SF-Autoren ihre zu kurzen Reststrafen abbüßen. Aber wie so oft mochte dem niemand Glauben schenken, da die rhadamantischen Orakel von der Diktischen Höhle jede Weissendung depiktoralisierten. Minos Minos der Jüngere überzeugte gerade die Lichtnymphe Pariasolar, seinen illuminiszenten Daimonidentraum aufzuladen, als die ersten Frühtau-Psycho-Konflikter in Ultrajetkings über den Bergen von Belsen erschienen, imaginär auf den Polyphemotoren, schon vorher als früher, schneller als rasend, Donnerwalhalla vor Blitzkrieg, takataktak, Granaten entbindend...in dieser Geburt der frühen Stunde zündeten die onirischen Simulatorenflaks zwar reihenweise Psycho Gamma Blocker. Die Kohorten der Eiligen Elektroliga kamen aber nicht mehr dazu, ihren Bionen Seducer, nicknamed "Old Sigi", zu installieren. Die Fotonenblaslaster hatten bereits das gesamte Lichtfeld metaphosphorisch durchlöchert, und die holistischen Strickbrigaden hatte alle Cyberaugen voll zu tun. Dieses Manöver nannten die Historiografen später "Turner attack" im Andenken an dessen Spruch "Mehr Licht" (Es gibt aber informierten Biografen zufolge noch wenigstens 100 andere Maler, die beim Ableben diesen hochoriginellen Spruch über die Lippen brachten). Schlimmer war aber das transgressive Blood Eye Fever im posturbanolenten Interraum. Diese Epidemie, die sich über Sichtkontakte verbreitete, konnte erst durch die totale Verdunkelung, totaler und radikaler, als wir sie uns überhaupt noch vorstellen können, vorläufig eingeblindet werden. Die Neovirulisten um den blinden Seher Humphrey Theresias installierten Megareflektoren mit der zynischen Aufschrift "Schau mir in die Augen, Kleines" und ikonifizierten damit den optischen Terror auch für die, die das blendende Elend nicht sehen wollten. Unnötig zu sagen, dass der akkustische Terror durch eine Technoscratchversion von "As time goes by" ausgelöst wurde. Der illuminative Gegenterror, den Bonaventura mit seinem lichtmetaphysischen Powerplay entfachte, war aber auch nicht um einen metaphorischen Augenbreit besser als der Erleuchtungsschrecken, den er selbstgefällig reflektierte. Die Invisibilisten majorisierten durch diese dehumane Initiativen zwar die Overlook-Party, aber der Subliminaldiskurs blieb pseudopolitisch ohne sichtbare Ergebnisse. Schließlich diskoalierten die Peacestriker Partei und die abjekten Echtzeitler gegen die All Elekt(r)ohuman League. Die Abstimmung über die transorbitale Frontlinienkompetenz entgrenzte die Machtposition von Overlord Bernhard of Clairvaux zur militärischen Panoptipotenz. Der große Distributor verteilte brüderlich, aber tardando im Nanosekundentakt seine self fulfiling underdogs über das subliminale Risikofeld. Zunächst pulverisierten die Materiezerstäuber zwar erfolgreich das subatomare Rückgrat der Zweitausendundeins-Plateau-Partisanen. Schließlich versagten aber die Urbi et Orbi Detektoren des allmächtigen Vaty-Khans, und die Multimaxmonitore, durch permanentes Anti Screening verseucht, sendeten nur noch Simulationsberichte der Seeschlacht von Lepanto. Auch wenn die Kriegsfiktionsberichterstattung den Semihumanoiden Juan d´Austria Eugen als "warrior of the weak" präsentierte, mechanisch Belagerungsspiele an Kinder verteilend, mochte kein Pseudoapparatnik diesem und anderen Durchhalteclips der Videonauten so recht trauen.

Im Feuerwerk explodierender Nachrichtensatelliten sang der Männerchor "Synthetikrüppel für den Frieden" den einsamen Decoder Song, der die Geschichte einer intergalaktischen Good-Will-Tour der einst so berühmten Atomsprengköpfe Gottes, der so genannten Grahamisten Old Fellows, erzählte. Eine kleine Gruppe versprengter Quantenterroristen, angeführt von Bruder Chez Gomorrha, richtete jenseits von Eden, aber diesseits von Sodom , zunächst unbeachtet elektromagisches Dauerstörfeuer auf die Schrödinger Truppen. Mit katzenartiger Geschwindigkeit zogen sich diese in das Tempodrommetenrot von Perutztistan zurück. Lediglich ein Hilfskonvoi der Postnuclear holocaust mutants konnte bis zur "Fantastischen Mauer" entkommen, wo sie auf eine metalepröse Truppe von entsiegelten Bakteriomorphen stießen, die sie mit infektuösem Trommelfeuer und seelenlosen "Viva la muerta"-Rufen unter der Führung des hyperpanischen Cyberdillo empfingen. Flash auf Flesh erstürmte dagegen das berühmte Cyborg Kommando "Captain Golem Golan and the outburst Planet Busters" die Monadeninseln des Leibniz-Archipels, um hier einen prästabilierten Präposten enharmonischer Megamilben zu installieren. Aber der Plastikknochensturm im Fotonenwind entzog sich nicht der Spitzfindigkeit des "Flying Eye of heaven", das geschwätzig jedes Detail an die videosüchtelnde Heimatfront transmittierte. Das Digilogbuch von Sergeant Salt, des leandrischen Führers der gefürchteten "death clubbers" kommentierte: "Wir traktierten die bereits wund gescheuerte Schnauze dieses Hundesohns Clairvaux mit unseren digitalen Keulen, bis seine paranormalen Turbulatoren nur so klingelten. Aber erst als unsere prälitischen Brunnenvergifter ihre ultramarinblauen Desinfo-Tarnfische in das submarine Datennetz einschleusten, reichte die Tentakel-Time der sepiabraunen Parteioffiziere nicht mehr aus, dem dissimulierten Overthrill zu entkommen. Hätten nicht einige Darker Granaten die Ultra Lightshow unserer Powerhacker in Nueva Bagdad zerstört, hätten wir auch Clairvaux dereifiziert." Heute klingt das wie prämortales Geschwätz von übererstmorgen. Denn Salt wusste schon damals wie vorheute, dass sich Clairvaux mit seiner Präponderanzgarde längst zum Tannenberg-Tor hinter Dunekirchen abgesetzt hatte. Verschiedene Netzwerksymbionten sendeten aber rücksichtslos weiter Irreality-TV - anderes gibt´s ohnehin nicht mehr - bis schließlich die Datenschlammkontamination einen Informationsholocaust angerichtet hatte, der vermutlich auch für die wieder einsetzenden Kinderfadenkreuzzüge der präfigurierten Embryonalisten verantwortlich war.

Was ereignete sich inzwischen an der Front der sieben Armleuchter und tausend Posaunen von Yeah Richko? Hier schlugen Ökosappeure um Robin Fastlook die Warnsystemtheorie in den Wind und die green warriors konnten lediglich zwei Zoll imaginären Boden gewinnen, bis sie auf der Grünfeldachse vom erbitterten Widerstand der Giroghandisten aufgehalten wurden. Mit lauten "Mahatma"-Rufen trieben die selbst ernannten Peace-Killer eine platinweiße Robokuh am Blauband vor sich her, deren explodierende Elektroeitereuter die vordere Sturmstaffel der Greenwarriors zerfetzte. Wer von den elektrofotonischen Wundern des ersten Body and Soul-Kriegs berichtet, wird rückblickend, also im Echtzeitrahmen vorausschauend, den apriorischen Wundstarrkampf nicht vergessen, der zwischen der Virtualitätsartillerie und der trojanusköpfigen Alpha Zentauri Kavallerie entbrannte. Die Bildkanoniere schlugen zwar zahllose piktogene Löcher in die illusionäre Außenhaut der X-lanen, aber die Posttrojaner revanchierten sich mit Chiffrensalat, der die atopische Ortungselektronik völlig um ihre Äquilibristik brachte. Zwei antagonistische Deslokatoren führten indessen nur einen Lichttempowurf entfernt ein unergiebiges Streitgespräch, bei dem sie fortwährend die Plätze wechselten, bis sie schließlich auf Grund einer wechselseitig gestellten Mansube in ihre Polyteile implodierten. So galt einmal mehr das subatomare Talion der cyberspace bible: Fotonenauge um Fotonenauge, Elektronenzahn um Elektronenzahn. Flesh Jobs waren selten. Die berüchtigten Hackfleischmoussaker der Jason Gang war durch die Augsburger Postkonvention als Verbrechen gegen die Übermenschlichkeit geächtet worden und nach dem Toleranzverdikt von Nantes wagte kaum einer der Arg-Los-Nauten mehr, fremde Fleischpaläste zu malträtieren. Torquemada sei Dank. Lediglich in einem lunaren Scharmützel der Starpeacestriker gegen die präapokalyptischen Reiter "The marvellous Four" soll es einige Dekorpussierungen gegeben haben. Der metagenologische Exformationsbericht von Turn to Taxis, den die Mimoretuscheure der Firma "Miles Postgloriosus" bis zur Unkenntlichkeit fingierten, fiel allerdings der Datenschmutzverordnung zum Opfer und durfte nicht mehr in die Informosphäre abgestrahlt werden. Auf Rest-Terra wurde dagegen subliminales Depravin hektoliterweise in die Grundwasserkanäle abgeklappt, sodass die betroffenen SF-Autoren noch abwegigere Einfälle, will sagen Ausfälle hatten. Die Synapsenscharmützel liefen aber nicht ohne einige unrühmliche Ausschreitungen ab. So verteilten Poison Willy und seine Nervengiftmischercrew ihre Power Cocktails "Laudanum Plus" an die Ultrasoldateska von Chizoeville. Selbst die Verteilung von Mega Theriak Pastillen konnte die Hallozino-Katastrophe nicht eindämmen. Auf der vergeblichen Suche nach der verlorenen Formel von Lethe Giga Mash, das im letzten protothetischen Krieg als Antidot so hervorragende Dienste geleistet hatte, wurde sogar das imperiale Mausoleum der vormaligen Amnesiekolonisatoren von Minus-Terra geplündert, ohne aber mehr als einige lecke Fässer mit Deuteriumsuperoxid zu Tage zu fördern. Nach diesem delusiven Intermezzo schickte Clairvaux aus dem Ex-seal einige transmobile Kartätschen über Rest-Terra und transformierte die Region in den status potenzialis. Die dadurch initiierten Möglichkeitslebensformen appellierten bis zum interjuvenalischen Oszillationsgerichtshof, um schließlich ein gewaltiges Phantomschmerzensgeld einzuklagen. Der Metabolismusblitzkrieg der Gerontophaser beseelte schließlich ein dreckiges Dutzend von Semiandroiden mit der Lebenserwartung einer Stubenfliege, aber ein paar Elektrozombies mehr oder weniger, das ist doch nicht die Welt... Mehr gibt es eigentlich nicht zu berichten. Der Rest ist bekannt. Im Frieden von Chizoeville fanden simulierte Friedensverhandlungen statt, die mit Ausnahme geringfügiger Grenzkorrekturen den status quidproquo sanktionierten.

Der kollusiv veranlasste Chefunterhändler Dailyrentabomb fasste das Ergebnis lakonisch so zusammen: "Wir haben eine Psychobataille verloren, Seelenruhe ist jetzt die erste Replikantenpflicht".

TAT TWAM ASI.

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Quellen und Dokumentation

Institutionelle Berichte und Dokumente zu den im Essay behandelten technischen und politischen Entwicklungen.