Ich war zweimal bei VIPER zu Gast, jenem Internationalen Festival für Film, Video und neue Medien, das 1980 gegründet worden war und sich über zwei Jahrzehnte zu einem der wichtigen europäischen Orte für experimentelle Medienkunst und Medientheorie entwickelt hatte. Die hier erhaltenen Unterlagen dokumentieren meinen Auftritt im Jahr 2000 besonders genau. VIPER veranstaltete damals seine zwanzigste Ausgabe erstmals in Basel, nachdem das Festival zuvor in Luzern stattgefunden hatte. Die Festivaltage liefen vom 25. bis 29. Oktober 2000, das interdisziplinäre Symposium unter dem Titel „Quick Times“ am 27. und 28. Oktober im Theater Basel. Mein Vortrag trug den Titel „Informationskrieg und Zeitherrschaft“.
Das Festival verstand sich damals ausdrücklich nicht nur als Film- und Videoschau, sondern als Forum für einen Medienbegriff, der seine eigenen Grenzen gerade erst zu entdecken begann. Film, Video, Medienkunst, Installationen und Performances standen neben Diskussionen über analoge und digitale Bildmedien, CD-ROM, Internet, Geschwindigkeit und neue Formen gesellschaftlicher Kommunikation. VIPER hatte sich seit seiner Gründung 1980 der experimentellen Medienkunst verschrieben und war im Jahr 2000 von Luzern nach Basel gezogen. Das Festivalzentrum befand sich im Theater Basel. Der Ortswechsel fiel mit einer Phase zusammen, in der die sogenannten neuen Medien ihren Status als Spezialgebiet einiger Künstler, Programmierer und Theoretiker zu verlieren begannen und in die alltägliche Wirklichkeit eindrangen. Was damals noch „Cyberspace“, „Informationsgesellschaft“ und „Neue Medien“ hieß, wurde wenige Jahre später zur normalen Infrastruktur des Lebens.
„Quick Times“ traf einen Nerv dieser Übergangszeit. Der Ausgangspunkt des Symposiums war das Janusgesicht der Informationstechnologie: Sie versprach Effizienz und Zeitgewinn, während sie zugleich immer größere Mengen menschlicher Zeit beanspruchte. Beschleunigung, Echtzeit, Verfügbarkeit, Gedächtnis und Vergessen standen im Mittelpunkt. Die Veranstalter fragten, ob der Geschwindigkeitsgewinn der digitalen Kommunikation tatsächlich eine neue Zeitsouveränität hervorbringe oder ob mit der Beschleunigung des Informationsaustauschs zugleich eine Beschleunigung des Vergessens verbunden sei. Das waren im Jahr 2000 keine rhetorischen Fragen. Breitbandinternet war keineswegs selbstverständlich, Smartphones gab es nicht, soziale Netzwerke in ihrer heutigen Form ebenfalls nicht, und dennoch waren die Konturen jener Welt schon erkennbar, in der die Gegenwart später nahezu vollständig unter das Regime unmittelbarer Verfügbarkeit geraten sollte.
Das Programm versammelte dafür auffallend unterschiedliche Positionen. Karlheinz A. Geißler sprach über verschiedene Zeitformen, Marina Gržinić über das virtuelle Bild, Arthur und Marilouise Kroker über „Quick-Time, Quick-War, Quick-Flesh“, Günter Nimtz über quantenphysikalische Tunnelphänomene und vermeintliche Überlichtgeschwindigkeit, Martin Reinhart über die Vertauschung von Raum- und Zeitachsen im Film, Alexander Rose für die Long Now Foundation über eine Uhr für die kommenden zehntausend Jahre, Lisa Schmitz über Beschleunigungserfahrungen in der Medienkunst und Siegfried Zielinski über Zeitmaschinen. Mein Thema lag gewissermaßen quer durch mehrere dieser Perspektiven: Was geschieht, wenn Beschleunigung nicht nur Kommunikation verändert, sondern zum Machtmittel wird?
Das Einladungsschreiben vom 27. August 2000 nennt den Gegenstand ausdrücklich „Informationskrieg und Zeitherrschaft“. Für Freitag, den 27. Oktober, wurde meine Ankunft bis 18 Uhr erwartet, das Symposium sollte an diesem Abend mit einer Performance von Pablo Helguera um 20 Uhr eröffnet werden. Für den Vortrag war ein Honorar von 500 Schweizer Franken vereinbart, außerdem übernahm VIPER Reise- und Hotelkosten. Solche administrativen Einzelheiten wären belanglos, hätten sie nicht nach einem Vierteljahrhundert einen gewissen archivalischen Reiz: Die große Theorie der Echtzeit wurde noch per Brief bestätigt, versehen mit Faxnummer, Postfach und der Zusage einer Bahnfahrt zweiter Klasse.
Für den Katalog hatte ich meinen Vortrag in wenigen Sätzen zusammengefasst. Information-Warfare, Hacker-Warfare und Cyberwar, hieß es dort, seien zu Drohgebärden einer umfassenden Informations- und Wahrnehmungsherrschaft über den Feind avanciert. Die neuen Schlachten gerieten, ob auf militärischen oder ökonomischen Feldern, in eine unabsehbare Zeitnot. Wer auf Echtzeitmonitoren den Wettlauf gegen das zukünftige Tempo des Gegners gewinnen wolle, müsse Strategien entwickeln, die nicht länger von der Fehlbarkeit menschlicher Entscheidungen abhängig seien.
Man kann diesen Satz heute lesen, ohne ihm nachträglich prophetische Absichten unterschieben zu müssen. Interessanter ist, wie selbstverständlich im Jahr 2000 bereits ein Problem formuliert werden konnte, das ein Vierteljahrhundert später mit autonomen Waffensystemen, algorithmischer Zielerfassung und künstlicher Intelligenz erheblich konkreter geworden ist. Der militärische Traum besteht nicht allein darin, besser zu sehen als der Gegner. Er besteht darin, die Zeit zwischen Wahrnehmung und Wirkung so weit zu verkürzen, dass menschliche Reaktions- und Entscheidungszeiten zum störenden Rest werden.
Der Vortrag begann entsprechend unbescheiden:
„Der dritte Weltkrieg ist längst ausgebrochen.“
Natürlich war das eine Provokation. Keine Raketen waren zu sehen, keine Panzer standen auf den Straßen, keine Nachrichtensendung meldete den Beginn eines Weltkrieges. Aber gerade darin lag die Frage: Was geschieht, wenn Wahrnehmbarkeit kein notwendiges Merkmal des Krieges mehr ist? Wenn nicht Truppenbewegungen, sondern Veränderungen von Codierungen in Netzen die entscheidenden Operationen darstellen? Strom- und Wasserversorgung können ausfallen, Kommunikationssysteme zusammenbrechen, Konten verschwinden, Steuerungssysteme versagen, ohne dass der klassische Blick auf das Schlachtfeld überhaupt noch etwas zu sehen bekommt. Der damalige Vortrag bezeichnete dies als Übergang von Information Warfare, Netzkrieg und Cyberwar zu einer Situation, in der Medien und Informationen den Krieg nicht länger nur begleiten, sondern selbst in das Waffenarsenal eingehen.
Historisch war daran nichts völlig neu. Wissen über den Gegner gehörte seit Sun Tzu zum Krieg, Täuschung ebenso, Spionage ohnehin. Neu erschien jedoch die technische Möglichkeit, den Gegner nicht nur über seine Informationen zu täuschen, sondern seine Informationssysteme selbst zum Operationsgebiet zu machen. Aus Command, Control, Communication, Computer and Intelligence entstand das vernetzte Ideal eines Schlachtfeldes, dessen Daten in einer operativen Zentrale zusammenlaufen. Der klassische Feldherrenhügel wurde durch den Monitor ersetzt. Der Feind sollte geblendet, sein Kommunikationssystem gestört, seine Wahrnehmung manipuliert und schließlich sein Entscheidungsapparat selbst getroffen werden.
Ich nannte das damals kognitive Kriegführung. Der sensorische und kognitive Apparat des Widersachers werde wertvolleres Terrain als der Ort seiner physischen Präsenz. Der Satz wirkt heute weniger futuristisch, als er im Jahr 2000 geklungen haben mag. Die Vorstellung, politische Konflikte richteten sich nicht nur auf Territorien, Institutionen und militärische Einrichtungen, sondern auf Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Überzeugungen und gesellschaftliche Deutungsmuster, gehört inzwischen zum normalen Vokabular hybrider und kognitiver Kriegführung. Schon der damalige Vortrag sprach von semantischen und epistemologischen Angriffen, bei denen Wahrheit gegen virtuelle Realitäten ausgetauscht werde, und von einem „Bewusstseinskrieg“, dessen eigentliches Ziel der menschliche Geist sei.
Der zweite Strang des Vortrags betraf die Zeit. Kriegsgeschichte lässt sich auch als Geschichte der Beschleunigung lesen. Napoleon, so zitierte ich Egon Friedell, habe „mit der Zeit den Boden besiegt“, während Napoleons eigene Formel „Activité, activité, vitesse!“ lautete. Der Motor hatte die Bewegung des Blitzkriegs beschleunigt, der Chip sollte nun für eine neue Stufe militärischer Geschwindigkeit stehen. Digitale Datenübertragung ließ selbst den klassischen Blitzkrieg gemächlich erscheinen.
Das Ziel dieser Entwicklung war die Annäherung von Wahrnehmung, Entscheidung und Exekution. Der Gegner erscheint auf dem Monitor, wird identifiziert und kann im selben technologischen Zusammenhang bekämpft werden. „First look – first shot – first kill“ war die entsprechende militärische Formel. Der Vortrag beschrieb diese Entwicklung als Wahrnehmungskrieg und verband sie mit einer eigentümlichen Rückkehr der Magie. Höhlenmaler warfen Speere auf Tierbilder, um das reale Tier symbolisch zu treffen. Die digitale Kriegführung realisiert diese Bildmagie technisch: Der Punkt auf dem Monitor ist nicht mehr bloß Repräsentation eines Zieles, sondern wird Bestandteil des Systems, durch das dieses Ziel tatsächlich vernichtet werden kann.
Daraus ergab sich der Begriff der Zeitherrschaft. Im militärischen Echtzeitideal wird jede Verzögerung zum Defekt. Zwischen Erkennen und Handeln soll kein unbeherrschter Zeitraum verbleiben. Der Vortrag sprach von einer Zeitherrschaft, die tendenziell gegen Null geht. Jean Paul hatte angesichts imaginierter Mordmaschinen einmal von Stundenkriegen gesprochen, in denen die Vervollkommnung des Krieges schließlich den Krieg selbst vernichten könne. Im digitalisierten Konflikt erschien diese alte Phantasie in technischer Gestalt wieder.
Nur saß im Jahr 2000 noch der Mensch an einer entscheidenden Stelle der Maschine. Genau dort entstand das nächste Problem. Technische Systeme können Informationen schneller liefern, als Menschen sie prüfen, verstehen und verantworten können. Im Vortrag verwies ich auf Joseph Weizenbaum und die Gefahr einer Enteignung menschlicher Entscheidungsverantwortung durch digital berechnete Entscheidungsgrundlagen. Die Maschine liefert eine Lage, eine Prognose und eine Handlungsoption so schnell und mit einem solchen Anschein technischer Autorität, dass der menschliche Entscheidungsträger leicht nur noch den deklaratorischen Vollzug einer längst vorstrukturierten Entscheidung übernimmt.
Das Problem war schon damals keineswegs theoretisch. 1994 schossen amerikanische Kampfflugzeuge über dem Nordirak zwei amerikanische Black-Hawk-Hubschrauber ab. „Friendly fire“ bezeichnet solche Ereignisse in einer sprachlichen Konstruktion, die ihre Absurdität eher steigert als vermindert. Im Vortrag stand dieses Beispiel für einen Konflikt zwischen technischer Geschwindigkeit, situativer Wahrnehmung und menschlicher Entscheidung. Die militärische Antwort auf solche Schwierigkeiten bestand nicht zwangsläufig darin, die Systeme langsamer zu machen, sondern eher darin, den Menschen weiter aus der zeitkritischen Entscheidung herauszunehmen.
Damit gelangte der Vortrag zu einer Entwicklung, die heute besonders auffällt. Unbemannte Pioneer-Drohnen hatten im Golfkrieg bereits Videobilder geliefert. Das erschien damals als Vorschein eines Krieges, der auf menschliche Gemächlichkeit immer weniger Rücksicht nehmen würde. In den damaligen DARPA-Szenarien sollten riesige Mengen verteilter Sensoren das Schlachtfeld erfassen. Und dann steht in diesem Vortrag von 2000 tatsächlich der Satz:
„Und diese Datenmengen mögen sinnvoll nur noch von Systemen künstlicher Intelligenzen verarbeitet werden.“
Es folgte die Frage, ob Mensch-Maschinen-Tandems schließlich von vollautonomen Maschinenaggressoren abgelöst würden, weil eine Militärrevolution, die jede Verzögerung als Nachteil versteht, sich auf Dauer auch die menschliche Entscheidungszeit nicht mehr leisten möchte.
Darin lag bereits die ethische Aporie. Für aggressive Militärautomaten, schrieb ich damals, gälten Asimovs Robotergesetze nicht. Das Gebot, dass eine Maschine einen Menschen nicht verletzen dürfe, bleibe Science-Fiction, „ironischerweise nicht aus Mangel an Technik, sondern an Ethik“. Ein Vierteljahrhundert später klingt das nicht wie erledigte Medientheorie aus der Frühzeit des Internets. Es klingt unangenehm gegenwärtig.
Ein weiterer Teil des Vortrags beschäftigte sich mit dem Verschwinden der Front. Informationskrieg trifft nicht nur militärische Kommunikationsnetze. Je stärker Gesellschaften ihre Versorgung, Telekommunikation, Banken, Börsen, Verkehrs- und Steuerungssysteme digital vernetzen, desto schwerer lässt sich zwischen militärischem und zivilem Ziel unterscheiden. Der Vortrag beschrieb Angriffe auf gesellschaftliche Infrastrukturen ausdrücklich als mögliche Schläge gegen die „Herzzentren vitaler Versorgung“. Die klassische Trennung zwischen innerer und äußerer Sicherheit geriet dabei ebenso ins Wanken wie die Unterscheidung zwischen Krieg und Frieden.
Diese Entgrenzung besaß eine politische Seite. Wenn militärische, geheimdienstliche, wirtschaftliche und private Informationsstrukturen miteinander verschränkt werden, wird der Ausnahmezustand nicht mehr notwendig als solcher sichtbar. Der Vortrag sprach von einer „Public-Private-Partnerschaft auf unbegrenzte Zeit“ und von der Gefahr, dass sich ein permanenter Sicherheitszustand in einen zivilen „ewigen Krieg“ verwandelt. Der Feind muss dafür nicht an einer Grenze stehen. In Netzen lässt sich kaum noch eine Stelle bestimmen, die grundsätzlich außerhalb des möglichen Konflikts liegt.
Die damalige amerikanische Militärdoktrin formulierte diesen Anspruch unter dem Begriff „full spectrum dominance“. Frieden, Krise und Krieg erschienen nicht mehr als klar getrennte Zustände, sondern als unterschiedliche Intensitäten eines fortdauernden Wettbewerbs um Informations- und Entscheidungsvorsprung. Der Vortrag nannte die daraus entstehende Welt eine „no-escape-zone“: Echtzeit zieht den Raum zusammen, weil entfernte Orte technisch gleichzeitig beobachtbar und erreichbar werden. Das Schlachtfeld verwandelt sich in ein digitales Panoptikum.
Dass Information selbst keine gehorsame Waffe ist, bildete dazu den Gegenpunkt. Desinformation kann zurückschlagen, falsche Nachrichten können ihre Urheber erreichen, Manipulationssysteme können die epistemischen Grundlagen jener Gesellschaft beschädigen, die sie einsetzt. Die Vorstellung einer vollkommen kontrollierbaren Informationsherrschaft enthält daher ihren eigenen Widerspruch. Je stärker Gesellschaften von Informationssystemen abhängen, desto mächtiger werden diese Systeme als Waffen und desto verletzlicher werden zugleich diejenigen, die sie entwickelt haben.
Das war auch der Grund, weshalb der Vortrag den Informationskrieg nicht als humane Alternative zum klassischen Krieg begrüßte. Die Entkörperlichung des Kampfes kann den unmittelbaren Anblick von Gewalt reduzieren, ohne deren Wirkungen zu beseitigen. Eine zusammenbrechende Stromversorgung wird nicht dadurch unblutig, dass der Angriff als Datenoperation erfolgt. Ein zerstörtes Kommunikationssystem ist nicht weniger real, weil ihm keine Bombe vorausging. Die digitale Distanz zwischen Akteur und Wirkung kann sogar dazu führen, dass die Konsequenzen einer Handlung leichter aus dem Wahrnehmungshorizont verschwinden.
Am Ende stand deshalb eine wesentlich weitergehende These. Informationskrieg strebt nicht nur nach Herrschaft über die Sekunde eines militärischen Angriffs. Wenn Wahrnehmung, Erinnerung, Geschichte, gesellschaftliche Kommunikation und politische Überzeugungen selbst zu Operationsfeldern werden, richtet sich der Machtanspruch auf zukünftige Zeit überhaupt. „Dieses Kriegsdesign“, hieß es im Vortrag, „zielt nicht nur auf die Herrschaft über strategisch, operativ oder taktisch relevante Zeiten, sondern auf die Dominanz über alle zukünftigen Zeiten, in denen sich Gesellschaften, Kulturen und Individuen bilden.“
Deshalb endete der Vortrag nicht mit einem technischen Szenario, sondern mit einer kleinen Umkehrung des alten habsburgischen Wahlspruchs:
„Bella gerunt alii – wir informieren!“
Andere führen Krieg, wir informieren.
Der Satz war ironisch gemeint. Er ist nicht beruhigender geworden.
Am 28. Oktober 2000 konnte man all das noch für die Überhitzung einer Medien- und Kriegstheorie halten, die Begriffe wie Cyberwar, Hacker-Warfare, Informationsdominanz und künstliche Intelligenz mit beträchtlicher Begeisterung durch die Zukunft jagte. Mehr als fünfundzwanzig Jahre später interessiert daran weniger, ob jede einzelne Prognose eingetroffen ist. Einige Begriffe sind veraltet, einige militärtechnische Annahmen wurden korrigiert, manche damalige Zukunftsphantasie wirkt heute kurios. Erstaunlich beständig geblieben ist jedoch die Grundfrage: Was geschieht mit menschlicher Entscheidung, politischer Verantwortung und gesellschaftlicher Wirklichkeit, wenn technische Systeme immer schneller sehen, auswählen, bewerten und handeln, während der Mensch, dessen Namen die Entscheidung weiterhin trägt, zeitlich immer weiter hinter ihnen zurückbleibt?
Der Vortrag hieß „Informationskrieg und Zeitherrschaft“. Heute würde ich den zweiten Begriff noch ernster nehmen als damals. Macht besitzt nicht nur, wer Informationen kontrolliert. Macht besitzt, wer bestimmt, wann etwas wahrgenommen wird, wie lange darüber nachgedacht werden kann, wann eine Antwort erwartet wird und ob überhaupt noch Zeit bleibt, eine Entscheidung nicht sofort zu treffen. Das gilt längst nicht mehr nur für den Krieg.
Dokumentation

- Festival
- VIPER – International Festival for Film Video and New Media · 20. Ausgabe · Basel, 25.–29. Oktober 2000
- Festivalzentrum
- Theater Basel
- Symposium
- „Quick Times“ · 27. und 28. Oktober 2000 · Kleine Bühne, Theater Basel
- Vortrag
- Goedart Palm · „Informationskrieg und Zeitherrschaft“
Die Einladung zur Teilnahme datiert vom 27. August 2000. VIPER bestätigte darin den Vortrag im Rahmen des Symposiums „Quick Times“, die Ankunft am Freitag, 27. Oktober 2000 bis 18 Uhr, die Eröffnung des Symposiums mit einer Performance von Pablo Helguera um 20 Uhr sowie ein Vortragshonorar von CHF 500. Reise und Hotel wurden vom Festival übernommen.
VIPER war 1980 gegründet worden. Die zwanzigste Ausgabe 2000 war zugleich die erste in Basel, nachdem das Festival zuvor in Luzern stattgefunden hatte. Das Programm verband Film, Video, Medienkunst, Installationen, Performances und ein interdisziplinäres Symposium. Zum Symposium gehörten unter anderem Beiträge von Jürgen Ebert, Karlheinz A. Geißler, Marina Gržinić, Arthur und Marilouise Kroker, Günter Nimtz, Goedart Palm, Martin Reinhart, Alexander Rose, Lisa Schmitz und Siegfried Zielinski.
Goedart Palm war zweimal bei VIPER zu Gast. Die hier erhaltenen Unterlagen dokumentieren den Basler Auftritt des Jahres 2000. Ein weiterer im lokalen Textarchiv überlieferter Vortrag fand am 26. Oktober 2001 bei VIPER in Basel statt und trug den Titel „Zur Kommunikationskultur des Terrorkriegs“; weitere Programmdaten werden hier nicht nachträglich ergänzt.
Der Originalvortrag endete: „Meine Zeitherrschaft jedenfalls geht zu Ende. Ich hoffe, für Sie lag auch ein Aufmerksamkeitsgewinn darin. Vielen Dank.“