Nach der politischen und persönlichen Stadtlektüre von Bonn I folgt hier die Stadt in weiteren Ansichten: repräsentativ und beiläufig, dicht bebaut und weit offen, am Rhein und in Duisdorf. Kein zweiter Stadtrundgang, sondern eine Folge wechselnder Bonner Maßstäbe.
Der Markt: Bühne und Gebrauchsort
Der Bonner Markt kann sich barock geben und bleibt doch ein Platz, auf dem geliefert, verkauft, gewartet und das Fahrrad abgestellt wird. Das Alte Rathaus, der Marktbrunnen und die umstehenden Geschäftshäuser liefern die historische Fassung; Buden, Lieferwagen und Beleuchtung schreiben täglich darüber.




Gold, Geschäft und Bonngasse
Zwischen historischer Symbolik und Einzelhandel liegen in Bonn oft nur wenige Schritte. Das Koblenzer Tor trägt seine vergoldete Figur mit höfischem Ernst; in der Bonngasse wechseln darunter und daneben Schaufenster, Namen und Nutzungen. Stadtgeschichte bleibt nicht im Museum. Sie steht im Weg, überragt Reklamen und wird Teil des täglichen Blicks.


Wasserlagen
Der Rhein gibt Bonn die große Horizontale. Die Kennedybrücke verbindet, während Uferwege, Anleger und kleine Pavillons den Fluss in den Alltag übersetzen. Hier wird nicht nur Aussicht konsumiert; hier wird gegangen, gewartet, gefahren und gelegentlich gegen den Wind diskutiert.


Grünflächen, Kaiserplatz, städtische Ränder
Wasser erscheint in Bonn nicht nur als Rhein. Nach Regen wird eine Wiese zum Spiegel; im Winter zeichnen Fahrräder und Baumreihen eine andere Stadtgeometrie. Solche Ansichten sind weder Sehenswürdigkeit noch bloße Kulisse. Sie zeigen, wie stark Bonn von freien Flächen, Alleen und Parks zusammengehalten wird.



Duisdorf und das Meßdorfer Feld
Das wirkliche Bonn endet nicht an den Ansichten der Innenstadt. Duisdorf war Wohnort und Alltagsraum Goedart Palms: Geschäfte, Wege, Fahrräder und Besorgungen statt staatlicher Repräsentation. Gleich daneben öffnet das Meßdorfer Feld eine unerwartete Weite. Der Vorort besteht nicht nur aus Bebauung, sondern auch aus dem Rand, an dem die Stadt für einen Moment aufhört, sich wichtig zu machen.

