Schulzeit

Der SMV-Raum

Jugend, Schulpolitik und frühe Öffentlichkeit.

Der SMV-Raum war kein feierlicher Ort der Demokratie. Er war ein Zimmer mit einem Tisch in der Mitte, Zigarettenrauch, Endlosgesprächen und der Überzeugung, dass Schule veränderbar sein müsse.

Ein kleiner politischer Mikrokosmos

Um den Tisch gruppierten sich Schüler und führten Gespräche über Gott und die Welt – und manchmal auch über die Schule. Geraucht wurde ebenfalls, was mächtigen Ärger produzierte. Öffentlichkeit begann hier im Kleinen: mit Wortmeldungen, Konflikten und dem Versuch, aus sehr verschiedenen Meinungen eine gemeinsame Haltung zu machen.

Wir waren politisch, zumindest unserem Selbstverständnis nach. Der Raum gab diesem Anspruch eine Adresse. Er war Rückzug und Bühne zugleich, nicht frei von Pose und jugendlicher Selbstüberschätzung, aber konkret genug, um Widerspruch sichtbar zu machen.

Die Einmottung

Unsere Abschlussveranstaltung bestand 1974, ein Jahr vor dem Abitur, darin, einen Sandkasten mit schönen Förmchen dort zu hinterlassen und die SMV einzumotten. Ja, so war man damals, wenn es mit der Demokratie beziehungsweise ihrem Fantasma haperte. Die Schulleitung nahm uns das sehr übel. Eine Schule ohne SMV war schließlich auch keine Visitenkarte.

Im Rückblick bleibt weniger die Aktion als der Raum: ein früher Ort von Schulpolitik, Konflikt und Öffentlichkeit.