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Nike Wagner und die Geschichtskeulen

Richard Wagner Goedart Palm

Geschrieben am 22.April 2008 - dieser Eindruck wurde durch den weiteren Verlauf auf das Vorzüglichste bestätigt

Lehrstück: Wie reagiert jemand, der sich übergangen fühlt, obwohl er/sie so wichtig für den Weltenlauf und vor allem Bayreuth ist?

Zitat Nike Wagner - SZ, April 2008: "Und hier sind Gefahren: dass Bayreuth mal wieder verdammt synchron mit dem Zeitgeist ist, der die Künste auch anderswo gängelt, sie mehr und mehr an die große Konsensmaschine ausliefert, die irgendwo zwischen Medien, Markt und Gesellschaft funktioniert."

Nota bene: Ich bin anders, die sind zeitgeistig. Was hat denn Frau Nike Wagner in Weimar gemacht?

Und weiter: "Es geht mir um die Sache Bayreuths." Dazu Robert Gernhardts Gedichtzeile vergleichen: "der Sache wegen". Wann hätte je einer anders geredet?

Finale Nike Wagner: "Lernen wir nichts aus der Geschichte?" Die finale Keule: Wären Leute wie ich da, wo sie hingehören, wäre alles anders. Noch schöner als irreale Sozialutopien sind Privatutopien, die einen einzigen Fluchtpunkt haben: Das in seiner Eitelkeit gekränkte Ich. Aber ich doch nicht....der Sache wegen!

Nachtrag 02.09.2008: 

I. Besonders albern werden solche Possen dadurch, dass sich Journalisten glauben entscheiden zu müssen, ob nun dieses oder jenes Konzept, das vielleicht durch solche Statements lugt, innovativer, ästhetisch sinnfälliger etc. ist. Das sind Nullsummenspiele, weil letztlich selbst die Protagonisten nicht wissen, was sie tun werden bzw. welchen Sachzwängen sie unter Schwierigkeiten ihr persönliches "trademark" aufdrücken. Also schreiben einige über die intellektuelle Nike versus der populistische Katharina und ähnlichen Unsinn. Dabei wissen wir doch: Wer alte Meister aller Sparten aufmotzen will, holt sich einen Provokateur oder das Simulacrum eines solchen in das Haus und schon habe ich eine künstlerische Aussage. Ob ich innovativ oder antiquiert, konservativ oder progressiv bin, interessiert nicht nur niemanden, sondern ist kategorialer Ramsch. 

II. Die Medientheorie von Nike Wagner, die in der Begrifflichkeit der "Konsensmaschine" Ausdruck findet, ist der übliche Populismus der Frankfurter Schule, der selbst in diversen Kreise den Konsens, den es doch angeblich zu verachten gilt, erst herstellt. Wer heute erklärt, dass er kritische Oper mache, ist im Zweifel selbst ein Mitläufer. Kritisch wäre nur der, der sich dem Medientheater versagt. Das allerdings ist eine paradoxe Aufgabe, die zum wenigstens durch narzisstische Referenzen und affirmative Rhetorik zu leisten ist. Kritisch ist zu vermerken, dass der Begriff der "Kritik" selbst längst obsolet geworden ist. 

 

 

 

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Copyright. Dr. Goedart Palm 1998 - Stand: 11. Oktober 2011.