Lehrstück: Wie reagiert jemand, der sich übergangen
fühlt, obwohl er/sie so wichtig für den Weltenlauf und vor allem
Bayreuth ist?
Zitat Nike Wagner - SZ, April 2008: "Und hier sind Gefahren:
dass Bayreuth mal wieder verdammt synchron mit dem Zeitgeist ist,
der die Künste auch anderswo gängelt, sie mehr und mehr an die
große Konsensmaschine ausliefert, die irgendwo zwischen Medien,
Markt und Gesellschaft funktioniert."
Nota bene: Ich bin anders, die sind zeitgeistig. Was hat denn Frau
Nike Wagner in Weimar gemacht?
Und weiter: "Es geht mir um die Sache Bayreuths." Dazu
Robert Gernhardts Gedichtzeile vergleichen: "der Sache
wegen". Wann hätte je einer anders geredet?
Finale Nike Wagner: "Lernen wir nichts aus der
Geschichte?" Die finale Keule: Wären Leute wie ich da, wo
sie hingehören, wäre alles anders. Noch schöner als irreale
Sozialutopien sind Privatutopien, die einen einzigen Fluchtpunkt
haben: Das in seiner Eitelkeit gekränkte Ich. Aber ich doch
nicht....der Sache wegen!
Nachtrag 02.09.2008:
I. Besonders albern werden solche Possen dadurch, dass sich
Journalisten glauben entscheiden zu müssen, ob nun dieses oder
jenes Konzept, das vielleicht durch solche Statements lugt,
innovativer, ästhetisch sinnfälliger etc. ist. Das sind
Nullsummenspiele, weil letztlich selbst die Protagonisten nicht
wissen, was sie tun werden bzw. welchen Sachzwängen sie unter
Schwierigkeiten ihr persönliches "trademark"
aufdrücken. Also schreiben einige über die intellektuelle Nike
versus der populistische Katharina und ähnlichen Unsinn. Dabei
wissen wir doch: Wer alte Meister aller Sparten aufmotzen will,
holt sich einen Provokateur oder das Simulacrum eines solchen in
das Haus und schon habe ich eine künstlerische Aussage. Ob ich
innovativ oder antiquiert, konservativ oder progressiv bin,
interessiert nicht nur niemanden, sondern ist kategorialer
Ramsch.
II. Die Medientheorie von Nike Wagner, die in der
Begrifflichkeit der "Konsensmaschine" Ausdruck findet,
ist der übliche Populismus der Frankfurter Schule, der selbst in
diversen Kreise den Konsens, den es doch angeblich zu verachten
gilt, erst herstellt. Wer heute erklärt, dass er kritische Oper
mache, ist im Zweifel selbst ein Mitläufer. Kritisch wäre
nur der, der sich dem Medientheater versagt. Das allerdings ist
eine paradoxe Aufgabe, die zum wenigstens durch narzisstische
Referenzen und affirmative Rhetorik zu leisten ist. Kritisch ist
zu vermerken, dass der Begriff der "Kritik" selbst
längst obsolet geworden ist. |