Musiktheater, Beethovenfest und künstlerische Arbeiten von 2005 bis 2020.
Diese Seite führt die zuvor verstreuten Projektseiten chronologisch zusammen. Historische Texte, Datierungen, Beteiligte, Bildfolgen und Projekthinweise bleiben erhalten; die eigenständigen Essays über Beethoven als Mensch, Popfigur und Bildmotiv stehen weiterhin auf ihren eigenen Seiten.
Historisches Projektarchiv
2005 · Beethoven und Schiller
Was Sie schon
immer über Klassik wissen wollten,
aber nie zu
fragen wagten....
Wem der große Wurf
gelungen
„Ludwig
van“ trifft „Friedrich von“
Eine
fiktive Begegnung
Am 24. September 2005, 19.30 h in der Halle Beuel
1805:
Wenige Tage vor seinem Tod trifft Friedrich
Schiller, der fieberhaft an seinem letzten Drama über den falschen
Kaiser „Demetrius“ arbeitet, auf den jungen Beethoven. Der hat
gerade die Widmung an Napoleon aus seiner „Eroica“
herausgekratzt....
1827:
„O Ihr Menschen, die ihr mich für
feindselig, störrisch oder misanthropisch haltet ...“ - Beethoven
blickt kurz vor seinem Lebensende auf die Veränderungen der
musikalischen Welt und fühlt sich ausgeschlossen. Da trifft er auf
ein Gespenst: Schiller, dessen Jugendgedicht er in seine letzte
Sinfonie eingebaut hat, ist gerade auf dem Weg vom Massengrab in die
Fürstengruft. Braucht die Musik seit der 9. Sinfonie die Sprache?
Oder wird in der Romantik die Sprache selbst zur Musik? Wie überlebt
man als „Klassiker“ den Tod?
...
2005:
Ludwig und Friedrich treffen sich an den Gräbern
ihrer nächsten Verwandten: in Bonn auf dem alten Friedhof. Zwei „Untote“
unterhalten sich über Aufstieg und Abstieg der „Klassik“.
Richard Wagner und ein deutscher „Großkritiker“ begleiten sie
auf dem Weg durch die zwei Jahrhunderte.
Ohne
sich je persönlich kennen gelernt zu haben, haben sie gemeinsam ein
„Weltkulturerbe“ erschaffen. Zwei Klassiker haben sich zu einem bis
heute verstörenden Opus Magnum vereint; im wirklichen Leben – obwohl
Zeitgenossen – sind sie sich aber nie begegnet.
Als Schiller vor 200 Jahren mit 45
Jahren starb, war der 11 Jahre jüngere Beethoven noch auf dem steinigen
Weg zum „Klassiker“. Wie Schiller hatte er mit der Zensur zu kämpfen.
Aber anders als Schiller mochte er sich als Mensch nie in die Gesellschaft
einfügen, und rebellierte bis zu seinem letzten Werk gegen die Hörgewohnheiten
des Publikums.
Schillers
Text und Beethovens Musik verbinden sich im Finale der Neunten Sinfonie zu
einem kongenialen, wenn auch bis heute bizarren, schrillen und fragwürdigen
Meisterwerk, das zugleich als „Song of Joy“ und „Europahymne“
populistische Qualitäten hat.
Beide
definieren ihre jeweilige Rolle als Künstler in der Gesellschaft radikal
neu; sie verstehen sich als politisch-moralische Erzieher des Menschen
durch Kunst, entwickeln ein neues Selbstbewusstsein als Künstler in der bürgerlichen
Gesellschaft und fordern ihr Publikum auf, durch Kunst ihre Kräfte zu
sammeln, um die Welt und sich selbst gegen alle Widerstände
weiterzuentwickeln. Was können sie uns heute noch sagen? Was hätten
diese beiden – wären sie sich je begegnet – mit
einander besprochen? Was verband sie in ihrer Zeit und nach ihrer Zeit?
Wie hätten sie gegenseitig ihre Künste bewertet? Und vor allem: was hätten
sie zu ihrer Rezeption im 19. und im 20. Jahrhundert, und schließlich zu
ihrer Stellung im heutigen Kulturbetrieb gesagt?
Während sich „Ludwig van“ und „Friedrich von“ unterhalten,
scheinen ihre Werke in Ausschnitten auf, musiziert und gespielt von Bonner
Schülern.
Worum
geht es dabei:
Kann man Tote zum Leben erwecken?
Oder leben sie vielleicht doch noch?
Und was lebt von Ihnen?
Im Jahr 2005 erinnert sich die Welt
an Friedrich Schillers 200. Todestag. Dass er oft in einem Atemzug
mit Beethoven genannt wird, liegt an der 9. Sinfonie, der Vertonung
der Ode an die Freude - vielleicht dem bedeutendsten, zumindest
einem der berühmtesten Meisterwerke deutscher Klassik. Warum eigentlich?
Und wer hat je nach der sonstigen Beziehung der beiden Zeitgenossen
gefragt, die so viele Ideale und Ideen verband?
Niemand bisher so recht!
Trotz aller
inneren Nähe sind sich die Zeitgenossen nie begegnet. Beethoven hat trotz
größter Verehrung für Schillers Werk und verzweifelter Suche nach
geeigneten Opernstoffen kaum eine weitere Schiller-Zeile vertont. Und
was Schiller vom berühmtesten Komponisten seiner Zeit wahrnahm, ist
bisher unerforscht, allerdings hatte er große Hoffnungen für die zukünftige
Bedeutung der Gattung Oper.
Was hätte er zu Beethovens einziger Oper
gesagt, die in Schillers Todesjahr von der Zensur erst einmal verboten
wurde? Wie hätte eine Begegnung der
beiden ausgesehen? Was hätten die beiden Genies miteinander verhandelt?
Welche Ideen, welche Werke verbinden sie? Und überhaupt: ist das Ganze
noch aktuell? Was interessiert uns heute an Beethoven und Schiller? Wenn
wir noch Zugang zu ihren Ideen haben - finden wir sie auch über ihre Gefühlswelten?
Warum ist Pathos so unzeitgemäß geworden? Was drückt es aus?
Was würden Schiller und Beethoven
heute dem Bundeskanzler sagen, einem Flutopfer oder einem Selbstmordattentäter?
Oder raunen sich vielleicht zwei
alte Damen, die nebeneinander in Bonn auf dem Alten Friedhof liegen,
Anekdoten über ihre bedeutenden Angehörigen zu: Mutter van Beethoven und
Ehefrau von Schiller?
Dies sind nur
einige der vielen möglichen Fragen und Perspektiven einer fiktiven
Begegnung zwischen den beiden Genies.
Wie
funktioniert die Umsetzung:
Mit Hilfe von Ausschnitten aus
Schillers Werken, sonstigen Ideen und Zitaten aus ihren schriftlichen
Äußerungen sowie Musikbeispielen von Beethoven (u.a.), aber
auch durch visuelle Veranschaulichungen (Videos und/oder digitale
Animation etc.) sollen der „Geist der Klassik“, der die beiden
verband, aber auch diegemeinsamen Spuren vor Ort in Bonn
erforscht werden. Das Ergebnis wird ein Musik/Theater-Projekt in der
Halle Beuel werden, in dem die Begegnung von Schiller und Beethoven Gestalt
gewinnt, zur Wirklichkeit wird, wobei ihre Gespräche (möglicherweise aus
Zitaten zusammengestellt) nur den Rahmen bieten sollen, um Werke und Ideen
selbst sprechen zu lassen.
Ziel ist es, auch einen kleinen Überblick
über Beethovens und Schillers zentrale Werkideen zu geben und diese auf
ihre heutige Aktualität zu befragen. Beispiele und mögliche Ansätze
hierfür sowie Hilfe bei den Recherchen sind bei den Projektpartnern
abrufbar.
Was
ist die Herausforderung an Schüler und Schulen:
Die Herausforderung für Schüler
wird darin liegen, geeignete Ausschnitte und Beispiele zu finden,
herauszustellen und vorzuspielen. Gefragt sind vor allem die Theater-AGs,
aber auch engagierte Deutsch- und Musikkurse, Schul-Chöre und
Musizierende, gerne auch Philosophie (Schillers Ästhetik) und ev. Geschichtskurse
(Schillers historische Schriften).
Da jede Schule nur
wenige, kürzere Bausteine beisteuern sollte, ist der Vorbereitungsaufwand
für die einzelne Gruppe überschaubar. Idee ist bisher, nach Sichtung und
Auswahl der von den Schülern vorgeschlagenen Module einen Dialog
Schiller-Beethoven zu erarbeiten, in dem die Werkbeispiele eingeblendet
werden. Die Projektpartner (Theater-Profis, Dramaturgie,
Musikwissenschaftler) stehen dabei mit Rat und Tat zur Seite. Die
Zusammensetzung der vorgeschlagenen Bausteine wird von den Beteiligten
gemeinsam festgelegt. Die Kooperation verschiedener Schulen und
Schulformen in der Region in und um Bonn könnte ein Anstoß für zukünftige
gemeinsame Projekte sein.
Präsentation/Timing:
Bisher sind für das
Schiller-Beethoven-Projekt zwei Aufführungen am 24. September 2005in der Halle Beuel vorgesehen: eine Vormittagsvorstellung für
Schulen sowie eine Nachmittags- oder Abendvorstellung. Die Generalprobe
findet am 23. September in der Halle Beuel statt. Weitere Probentermine in
geeigneten Proberäumen des Schauspiels werden noch angesetzt. Eine
weitere Aufführung im Rahmen des Bonner Schulkultur-Festivals
(27.11.-4.12.05) und weitere Schulaufführungen sind bei Erfolg und
Interesse möglich. Inhalt, Ablauf und Beteiligte müssen bis zu den
Sommerferien feststehen und die Proben aufgenommen haben. Da der
Koordinierungsaufwand hoch ist, bitten wir um Rückmeldung nach
Möglichkeit
noch vor den Osterferien!
Dr. Solveig Palm, Tel. 0228-9250209,
email: solveigpal@aol.com
Projektprofi für Dramaturgie und Bühnenumsetzung: Nikolaus Büchel,
Theater Bonn, Tel. 0228-778135
Für
Projektrecherchen: Beethovenhaus Bonn, Frau Martella
Guttierez-Denhoff, Tel:
0228-9817515
Richard
Wagner (Christoph Heiliger), der selbstbewusst (siehe oben)
seine Kunst als Filmkunst des 21. Jahrhunderts projiziert,und
Beethoven (Nikolas Heurich), der nicht nur den Meister
beherrschte, sondern auch einen sehr überzeugenden Eindruck des Räubers Karl
Moor vorstellte.
Richard
Wagner (Christoph
Heiliger) erläutert sein Gesamtkunstwerk,
Beethoven
und Schiller sind skeptisch. Thomas Alva Edison (Martin
Grützner) bevorzugt Digitalmedien und Sensor round.
Marcel
Reich-Ranicki (höchst verwandlungsfähig, der
vormalige Beethoven: Gerald
Liebenow
) vermittelt die Positionen. Mit globaler Kulturindustrie,
avancierten
Medien und anderen Hörgewohnheiten werden auch die Klassiker
neu
positioniert.
Die AutorinSolveig Palm im Kreis der
Protagonisten (rechts Thanh Mai Nguyen,
Klavier)
Damian
Braschczok, Schlussapplaus.
Im
Hintergrund Evghenii Ghittenstein (Felix Mendelssohn undKlavier) und Thorben Peters
(Don
Carlos).
Einrichtung
und Regie:Nikolaus Büchel, Theater
BonnText,
Dramaturgie und Organisation:Solveig Palm.
Michael
Engels (König
Philipp II.), Thorben Peters
(Don Carlos),
Thanh Mai Nguyen (Klavier),
Eike Block
(Klavier), Martin Grützner (Sapieha,
E.T. Hoffmann, Johann Wolfgang von Goethe, Thomas Alva Edison), Evghenii Ghittenstein (Felix Mendelssohn undKlavier).
Solveig Palm und Manfred Jung (Beethoven
Bonnensis) bedanken sich bei den Mitwirkenden.
insbesondere
Thomas Butzlaff, Eckart Rüther, Friedhelm Roth-Lange und Manfred Sieburg
für engagierte
Kooperation.
Für die Betreuung durch das Theater
Bonn gilt
unser Dank vor allem: Günter Riebl und Karsten Meyer (Technik) Simon
Valentin und Adelheid Pohlmann (Kostüme), Heike Beuke (Maske), Alexandra
Freyer (Requisite), Andreas Stubenrauch (Inspizient) Dieter Saß (Ton)
Frank Berg (Licht)
Die musikalische Einstudierung der Klavierfassung der
5. Sinfonie besorgte Beatrix Ebersberg, Musikschule Bonn. Vielen Dank!
Gefühlte
56 - Zitat Ulrike Strauch, General-Anzeiger
v. 17.08.2006: "Gefühlte 56 - 100 Jahre Klassik" heißt das
Musik- und Theaterprojekt, das am Samstag, 23. September, im Lampenlager
der Halle Beuel Premiere feiert und damit die 2005 mit "Ludwig
van trifft Friedrich von" begonnene dramatische Reihe
fortsetzt."
Gefühlte 56
100 Jahre Klassik
Musik/Theaterprojekt von Beethoven Bonnensis
in Kooperation mit
dem Theater Bonn zum Beethovenfest 2006
Zwei nicht ganz unbekannte Herren aus Düsseldorf
unterhalten sich im Jahr ihres Todes über Mozarts 100. Geburtstag. Was
verbindet sie mit dem Wegbereiter der Klassik, mit dem musikalisch unübertroffenen
Anti-Intellektuellen Mozart? Und was hat der mit „56“ verstorbene
Beethoven dazu beizutragen? Was sagt Musik über Gefühlslagen und Gefühlsmöglichkeiten
aus, und wie verändern sich diese von der Früh- bis zur Spätklassik?
Bleibt „Romantik“ bis heute aktuell oder begann damals das Zeitalter
der „coolen“ Ironie? Im Jahr 2006 ist es das Stichwort „Emotionale
Intelligenz“, unter dem sich einige Jubilare in einer Talkshow
versammelt haben. Musikalität
und Gefühl, auch unter der Lupe der Psychoanalyse - illustriert durch
mehrere Musikbeiträge – werden hier auf der Couch verhandelt.
Solveig Palm, Projekt + Text
14
junge Talente aus Bonn und Umgebung demonstrieren als Darsteller, Musiker und Sänger
die Spannungsfelder zwischen Sprache und Musik.
Heine:
Nikolas Heurich . Schumann: Roman
Thieltges . Mozart: Felix Stadler
. Beethoven: Philipp Werner . Freud:
Martin Aselmann . Moderatorin:
Agnes Decker . Musik: Theresa
Lier, Benjamin Nuss, Felix Wahl, Klavier, Elisa + Eleni Wittbrodt,
Violine, Emily Wittbrodt, Violoncello, Nico Heinrich, Merveille
Mubakemeschi, Gesang . Text und Produktion:
Solveig Palm, Beethoven Bonnensis mit Unterstützung des Theater Bonn
Das
Projekt ist die Fortsetzung des im vergangenen Jahr sehr erfolgreichen,
und mit dem Beethoven Bonnensis-Förderpreis ausgezeichneten
Beethoven-Schiller-Stücks „Wem der große Wurf gelungen“, in dem zum
ersten Mal das Verhältnis von Sprache und Musik thematisiert wurde.
Premiere:
Samstag, 23. Sept. 2006, 20.00 Uhr
In der Halle
Beuel, Spielstätte Lampenlager
Weitere Aufführungen:
26. und 29. Sept. 2006 ebenda
Gefühlte
56 - Zitat Ulrike Strauch, General-Anzeiger
v. 17.08.2006: "Gefühlte 56 - 100 Jahre Klassik" heißt das
Musik- und Theaterprojekt, das am Samstag, 23. September, im Lampenlager
der Halle Beuel Premiere feiert und damit die 2005 mit "Ludwig
van trifft Friedrich von" begonnene dramatische Reihe
fortsetzt."
Gefühlte 56
100 Jahre Klassik
Impressionen zu einem Musik/Theaterprojekt von
"Beethoven Bonnensis"
in Kooperation mit
dem Theater Bonn zum Beethovenfest 2006
Zwei nicht ganz unbekannte Herren aus Düsseldorf
unterhalten sich im Jahr ihres Todes über Mozarts 100. Geburtstag. Was
verbindet sie mit dem Wegbereiter der Klassik, mit dem musikalisch unübertroffenen
Anti-Intellektuellen Mozart? Und was hat der mit „56“ verstorbene
Beethoven dazu beizutragen? Was sagt Musik über Gefühlslagen und Gefühlsmöglichkeiten
aus, und wie verändern sich diese von der Früh- bis zur Spätklassik?
Bleibt „Romantik“ bis heute aktuell oder begann damals das Zeitalter
der „coolen“ Ironie? Im Jahr 2006 ist es das Stichwort „Emotionale
Intelligenz“, unter dem sich einige Jubilare in einer Talkshow
versammelt haben. Musikalität
und Gefühl, auch unter der Lupe der Psychoanalyse - illustriert durch
mehrere Musikbeiträge – werden hier auf der Couch verhandelt.
Solveig Palm, Projekt + Text
Aufführung
im Kammermusiksaal
im Beethoven-Haus Bonn am 21.10.2006 und diversen anderen Orten. Weitere
Aufführungen im November 2006.
14
junge Talente aus Bonn und Umgebung demonstrieren als Darsteller, Musiker und Sänger
die Spannungsfelder zwischen Sprache und Musik.
Heine:
Nikolas Heurich . Schumann: Roman
Thieltges . Mozart: Felix Stadler
. Beethoven: Philipp Werner . Freud:
Martin Aselmann . Moderatorin:
Agnes Decker . Musik: Theresa
Lier, Benjamin Nuss, Felix Wahl, Klavier, Elisa + Eleni Wittbrodt,
Violine, Emily Wittbrodt, Violoncello, Nico Heinrich, Merveille
Mubakemeschi, Gesang . Text und Produktion:
Solveig Palm, Beethoven Bonnensis mit Unterstützung des Theater Bonn
;
"Wem der große Wurf
gelungen"
Das
Projekt ist die Fortsetzung des im vergangenen Jahr sehr erfolgreichen,
und mit dem Beethoven Bonnensis-Förderpreis ausgezeichneten
Beethoven-Schiller-Stücks „Wem der große Wurf gelungen“, in dem zum
ersten Mal das Verhältnis von Sprache und Musik thematisiert wurde.
Premiere:
Samstag, 23. Sept. 2006, 20.00 Uhr
In der Halle
Beuel, Spielstätte Lampenlager
Weitere Aufführungen:
26. und 29. Sept. 2006 ebenda
Aus der Ankündigung der Stadt Bonn: "Solisten,
Klein- und Großensembles präsentieren Musik verschiedener Epochen und
Stilrichtungen, von der Klassik bis zum Big Band-Sound - Verantwortlich für das
Musikprogramm: Dr. Solveig Palm
Hanna Bölting,
Violoncello,
Felix Wahl, Klavier.
Astor Piazzola, Le grand Tango
Sergej Rachmaninov, aus: Etudes tableaux
Frédéric Chopin, Etude h-moll op.2 5 Nr. 10
ein
lebendiges Netzwerk von zahlreichen Schulen und Kultureinrichtungen
Violine
trifft Flöte trifft Klavier trifft Gesang ... - eine Plattform für
musikalische Begegnungen auch jenseits der eigenen Schule
kreatives
Musiktheater auf hohem Niveau
100
% Auslastung - unser Publikum weist uns den Weg!
jährliche
Eröffnung des Beethovenfestes mit über 1000 Schülern auf Bühnen in der
ganzen Stadt
musikalisches
Coaching für herausragende Ensemblearbeit
Begegnungen
mit bedeutenden Künstlern des Beethovenfestes
neue
Erfahrungswelten mit Klassik für junge Menschen
Workshops
und Meisterkurse
über
100 engagierte Musikpädagogen und sonstige Kulturfachleute, die ehrenamtlich
mitmachen
_______________________________________
Ein
Netzwerk für klassische Musik
(und solche, die es werden kann) in Bonn
WARUM?
In allen
bedeutenden Konzertstädten der Welt – Bonn hat gute Gründe, eine
solche zu werden - setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass
musikalisches Interesse – soll es über die kommerziellen
Medienangebote hinausgehen - Erziehungsanstrengungen erfordert. Ein
attraktives Konzert-Angebot allein reicht nicht mehr, um insbesondere
ein junges Publikum zu
erreichen.
Längst gibt es einen Wettbewerb – nicht nur mit dem Überangebot
elektronischer Unterhaltungsmedien, sondern auch mit Freizeitangeboten,
in denen anspruchsvolle Kultur
sich nicht aus eigener Kraft behaupten kann.
Ein seit Jahrhunderten rund um die Welt gepflegter Kulturbereich, die
„Klassik“, war und ist Höhepunkt einer musischen und geistigen
Leistung, mit der die Weltgeltung
Deutschlands als Kulturnation begründet wurde. Sie ist bis heute
Maßstab in einer einzigartigen Kulturlandschaft, die auch neuen,
experimentellen und anspruchsvollen künstlerischen Ansätzen Gewicht
verleiht.
Die sorgfältige und engagierte musische und geistige Erziehung des
jungen Talents Ludwig van Beethoven in Bonn muss uns Verpflichtung sein,
auch heute junge Menschen an
kulturelle Werte heranzuführen, ihren Empfindungsreichtum
und ihre Ideen durch „schöne Götterfunken“
zu entzünden.
Die herausragende Chance, in dieser Stadt Beethoven als Repräsentanten
eines kulturellen Selbstverständnisses zu nutzen, ist erkannt worden.
Vor allem durch junge Menschen soll sie mit
Leben erfüllt werden.
Ein Festspielhaus für Beethoven wird umso mehr in
die Welt ausstrahlen können, als wir nicht nur ein junges
Publikum, sondern auch eine vorbildliche geistig-musische Bildung in
unserer Stadt, namentlich im Zusammenhang mit dem Beethovenfest
vorweisen können.
Die Grundlagen dafür sind gut: Bonn verfügt über eine
Reihe herausragender Institutionen, die auch oder vor allem die
musische Bildung befördern: die Musikschule, die Beethoven Competition,
das Beethovenhaus sowie theater-, museums- und auch konzertpädagogische
Stellen. Durch eine vernetzte Zusammenarbeit zwischen Schulen und
Kultureinrichtungen werden junge Menschen mit anspruchsvoller Kultur und
ihren hochkarätigen Institutionen vertraut gemacht.
Solveig Palm hat in den letzten fünf
Jahren ihrer Arbeit für Beethoven Bonnensis (Bürger für Beethoven
e.V.) dieses Netzwerk aufgebaut. Hier wurden die oben genannten
Einrichtungen untereinander und vor allem mit den Bonner Schulen in
einer Weise vernetzt, die viele (jährlich mehrere tausend!) musisch
begabte und interessierte junge Menschen zusammengebracht, Interessen
geweckt und Talente gefördert hat.
Über die bisherigen Aktivitäten
hinaus ist nun mit der neuen Plattform "Ludwig van B." ein
offenes Netzwerk für Schulen, Kultureinrichtungen, Vereine und
engagierte Einzelpersonen entstanden, das die bisherige Jugendarbeit
weiter professionalisiert und die erreichte Qualität und Quantität
weiterentwickeln möchte.
In Zukunft wird es noch mehr darauf ankommen,
- die Kooperationen untereinander auszubauen,
- weiterhin eine große Zahl junger Menschen mit unterschiedlichen
Formaten zu erreichen und
- die Ausstrahlung der Beethovenstadt Bonn und des Beethovenfestes als
„junge“ Kulturstadt über das regionale Interesse hinaus zu
verbreiten.
Das hier entwickelte Netzwerk versteht sich dabei als Mittler,
Motor und Initiator.
Der GA berichtete verschiedentlich über den
"Klanggrund" als neue Idee der Stadt in Kooperation mit
dem Theater und der Brotfabrik (Lokales Bonn, S. 23 v. Frank
Vallender).
Am 30. August 2008 hat Frau
Solveig Palm beim Eröffnungsfest des Beethovenfestes
zum ersten Mal den "Klanggrund" gegen manche Bedenkenträger
aus der Taufe gehoben. Nun hoffen wir auf ein Angebot der Veranstalter,
hier auch die musikalische Jugend aus Bonn präsentieren zu dürfen.
Deshalb nachfolgende Mitteilung - ob für einen redaktioneller Beitrag,
oder als Leserbrief überlasse ich gern Ihnen.
Solange wir uns noch gute "Gründe" für "Klang"
schaffen, herrscht noch das Prinzip Hoffnung: dass Kultur für alle
Menschen da ist, und sie manchmal auch da abholen kann, wo sie es
vielleicht gerade am dringendsten brauchen, das wurde vor 15 Monaten zum
ersten Mal im "Klanggrund" bewiesen. Gegen mancherlei Bedenken
wurde zur Eröffnung des Beethovenfestes 2008 der Standort vor dem
Bahnhof mit dieser Bezeichnung als eine von sieben Bühnen der
Open-Air-Veranstaltung "Bühne frei für Beethoven" aus der
Taufe gehoben - mit großem Erfolg!
Der General-Anzeiger schrieb dazu am 29.8.2008 im Feuilleton
unter der Überschrift "Auch der Bahnhof wird bespielt" im
Text: "Ein neuer musikalischer Standort ist der 'Klanggrund' statt
Bonner Loch. Auch die mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisenden
Besucher der Stadt sollen an diesem Samstag mit Musik empfangen werden.
Deshalb gibt es erstmalig auch an der Bahnhofsunterführung einen
'Klanggrund' im doppelten Sinne. Mehr als 100 musizierende Schülerinnen
und Schüler präsentieren hier mit sechs verschiedenen Ensembles die
einladende Beethovenstadt Bonn... Solveig Palm ... organisiert den
Auftritt von rund 750 Schülern und 300 Musikschülern...".
Auch die WDR-Lokalzeit hatte dies zum Anlass genommen, aus dem "klanggrund"
erstmalig über das Eröffnungsfest zu berichten.
Auch zum Beethoven-Eröffnungsfest in diesem Jahr am 5. September gab
es wieder den "Klanggrund" - in diesem Jahr moderiert
durch den damaligen Leiter der Gesamtschule Beuel. Wir freuen und
bedanken uns, dass er in seiner neuen Funktion als Oberbürgermeister
unsere Idee, Bonn-Besucher an dieser Stelle mit Musik (bzw. Kultur) zu
begrüßen, aufgegriffen hat und wünschen uns nicht erst für das nächste
Beethovenfest, dort wieder mit der musikalischen Bonner Jugend präsent
sein zu dürfen, um unter Beweis zu stellen, dass es viele (menschlich
durchaus notwendige) "Gründe" für schönen "Klang"
gibt - übrigens auch für ganze Orchester, die in Zukunft in
der Beethovenstadt beheimatet oder zu Gast sein sollen. Musik ist unsere
Zukunft, denn ebenso schlimm, wie die materielle Armut ist die
seelische.
Ein
Musiktheaterstück von "Ludwig van B." in Kooperation mit
Hardtberg Kultur e.V. mit über 100 beteiligten Schülerinnen und Schülern
aus 7 verschiedenen Schulen.
Götterfunken Ludwig van B. Solveig Palm
Hitzige
Diskussionen um Demokratie und andere Werte
Schiller
(Moritz Preisler), Beethoven (Dominik Söns), Reich-Ranicki (Martin Grützner),
Moderator (Alexander Sehan)
Aus
Anlass seines runden Geburtstags und des Verfassungsjubiläums schaut
Friedrich Schiller in Bonn vorbei und begegnet seinem großen musikalischen
Zeitgenossen. Zwischen Gestern und Heute verstricken sich die beiden
Klassiker nicht nur verbal in Politik, Literatur und natürlich -
Musik . Vor allem über die gemeinsame "Ode an die Freude".
Das
ist die Idee, mit der sich in theatralischer und musikalischer Form Schüler
aus 8 verschiedenen Schulen aus Bonn und Umgebung beschäftigen, um im
September im Rahmen des Beethovenfestes im Alten Wasserwerk ein
Musiktheaterstück zu präsentieren. Über 50 Probentage sind im
Kulturzentrum zur Vorbereitung des Projektes angesetzt. Wegen der vielen
Beteiligten kann das Stück nur in Auszügen im Kultuzentrum selbst präsentiert
werden. Die Aufführung des gesamten Stücks findet am 12. September 09
im "Alten Wasserwerk" (Regierungsviertel, Hermann-Ehlers-Str.) um
20.00 Uhr statt.
Das
neue Musiktheaterstück von Ludwig von B. knüpft mit diesem Format an die früheren
Erfolge an, die zugleich unterhaltsam und lehrreich sind. Beteiligte Schulen
sind u.a.: Donatus-Grundschule, Beethoven-Grundschule, Helmholtz-Gymnasium,
Adelheidis-Gymnasium, Konrad-Adenauer-Gymnasium Meckenheim. Musikalische
Einstudierung: Johannes Laas, Julia Kartaschowa, Lothar Reiche-Ebert, Annette
Chang-Küsche. Bühnenbild + Kostüme: Heidi Hellberg, Regie: Joe Knipp,
Produktionsleitung, Text, Dramaturgie: Solveig Palm
Diskurse und Demokratie - Ideal und
Wirklichkeit der Politik
(Martin Grützner und Denis Leupolt)
Parlamentarier wanken von der Bühne -
rechts das Orchester
Freude sprudelt in
Pokalen; in der Trauben goldnem Blut
trinken Sanftmut Kannibalen, die Verzweifelung Heldenmut,
Brüder, fliegt von euren Sitzen, wenn der volle Römer kreist!
Laßt den Schaum zum Himmel spritzen, dieses Glas dem guten Geist!
Den der Sterne Wirbel loben, den des Seraphs Hymne preist,
dieses Glas dem guten Geist überm Sternenzelt dort oben.
"Die "Ode an die Freude",
was bedeutet sie heute, in einer Zeit, die mit schwerem Pathos nicht
mehr viel anfangen kann? Diese Frage stand im Zentrum der Produktion
"Götterfunken", klug in Szene gesetzt von "Ludwig van
B.", dem "Netzwerk für musikalische Jugendarbeit in
Bonn"." (Von Mathias Nofze, General-Anzeiger
vom 14.September 2009).
Schiller
(Moritz Preisler), Reich-Ranicki (Martin Grützner), Beethoven (Dominik Söns), Thomas
Mann (Alexander Sehan) und die Bundespräsidentin (N.N.) - ob das gut geht?
Die
Bekenntnisse der Unpolitischen und ihre politischen Wirkungen.
WDR - 11.09.2009:
"Einer der Schauspieler sagt dazu: "Als Schiller damals
gedichtet hat, war das etwas ganz Besonderes für die Menschen. Er hat
damals Wörter benutzt wie Freiheit, die Provokation waren, und heute
gibt es halt so was , wo Leute sich solche Valentinsgrüße senden, was
eigentlich total absurd ist, aber die das wiedergeben, was die Menschen
eigentlich wollen und das ist Liebe."" Das Zitat stammt von Alexander Sehan
(rechts oben und links unten im Bild).
Wie gut ist die Demokratie? Fürst Leo
Sapieha (Martin Grützner) ist skeptisch.
Die Mehrheit?
Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn,
Verstand ist stets bei wen'gen nur gewesen.
Bekümmert sich ums Ganze, wer nichts hat?
Hat der Bettler eine Freiheit, eine Wahl?
Er muß dem Mächtigen, der ihn bezahlt,
Um Brot und Stiefel seine Stimm verkaufen.
Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen;
Der Staat muß untergehn, früh oder spät,
Wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.
Solistin Livia Bufi ist mit 9 Jahren die jüngste
Akteurin.
Wem der große Wurf
gelungen,
Eines Freundes Freund zu sein,
Wer ein holdes Weib errungen,
Mische seinen Jubel ein!
Ja - wer auch nur eine Seele
Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer's nie gekonnt, der stehle
Weinend sich aus diesem Bund.
Ja - wer auch nur eine Seele
Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer's nie gekonnt, der stehle
Weinend sich aus diesem Bund.
Origami meets Klassik - die musische
Überflügelung der Demokratie
Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligtum.
Deine Zauber binden wieder,
Was die Mode streng geteilt;
Alle Menschen werden Brüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.
Deine Zauber binden wieder,
Was die Mode streng geteilt;
Alle Menschen werden Brüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.
(Chor) Freude, schöner
Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligtum.
Deine Zauber binden wieder,
Was die Mode streng geteilt;
Alle Menschen werden Brüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.
Deine Zauber binden wieder,
Was die Mode streng geteilt;
Alle Menschen werden Brüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.
Jella Linnert (Violine), Konstantin
Schürholt (Klavier) und Paul Rittel (Cello)
Finale
Es wirkten mit:
Martin Grützner, Denis Leupolt, Konstanze Palm, Moritz Preisler, Alexander Sehan,
Dominik Söns (als Darsteller) Chor des Helmholtz-Gymnasiums,
Streichorchester der Donatusschule, Streichorchester der Beethovenschule, Bläser-Ensemble
der Donatusschule, Livia Bufi, Christine Heßeler (Sopran), Johanna Thiele
(Klavier)
Musikalische Leitung: Johannes Laas, Kinderorchester: Julia Kartaschowa, Regie:
Joe Knipp, Bühne und Kostüme: Heidi Hellberg, Text, Dramaturgie und
Produktionsleitung: Solveig Palm
Anmerkungen zum Stück
"Götterfunken"
Während Paavo Järvi in der
Beethovenhalle seinen
triumphalen Höhepunkt mit Beethovens Neunter erklomm, sprühten auch im
Alten Wasserwerk die „Götterfunken“.
Der GA hat die Idee des dort
leider nur einmalig aufgeführten Stücks sehr gut
zusammengefasst. Leider wurde es versäumt, auch nur einen einzigen der
immer wieder überraschend begabten jungen Menschen, die Solveig
Palm für Ihre Stücke zusammenwirken lässt, zu benennen.
Weder die Initiatorin, Organisatorin und Autorin dieses Großprojektes
wurde namentlich erwähnt noch der Regisseur oder auch nur einer der
zahlreichen Protagonisten. Und jeder der hier auf den Punkt eingesetzten
Solisten verdient es, hervorgehoben zu werden. Welches Wagnis Solveig
Palm in ihren Projekten immer wieder eingeht, ist schon in
der Besetzung der beiden Hauptprotagonisten Beethoven und Schiller
deutlich: Der 16jährige Moritz Preisler stand mit der großen
und anspruchsvollen Rolle als Schiller zum ersten Mal auf einer Bühne
und meisterte seine Aufgabe, der energiegeladenen Wut des Beethoven von Dominik
Söns (zuletzt zu sehen als „Podesta“ in Mozarts „Gärtnerin
aus Liebe“) die besonnene Klarheit der Aufklärung entgegenzusetzen.
Je zwei Rollen hatten Alexander Sehan
(15) und Denis Leupold (18) zu bewältigen.
Als Fernsehmoderatoren, die mit der Lifesituation von Wahlstudios
zu kämpfen hatten, aber auch als historische Figuren (Thomas Mann, Körner)
ließ Regisseur Joe Knipp ihrer
Spielfreude freien Lauf. Als
„MRR“, Moderator des literarischen Quartetts (in diesem Fall
„Quintetts“) lieferte Martin Grützner
eine parodistische Meisterleistung mit viel feuchter Aussprache, vor
allem als es um das „Fugen-S“ in der Verfassungspräambel ging, über
die im Bundestag jahrelang diskutiert wurde. Die elfjährige Konstanze
Palm entzückte als junge Schiller-Freundin Minna Stock
und überzeugte mit ihrer besonnenen Intelligenz als „Frau Bundespräsidentin“
das Publikum davon, dass man sich auch mit
11 schon ein Bild von den Aufgaben der Politik machen kann –
zumal in einem Wahljahr.
Den Schlusspunkt setzte gleich an
mehreren Stellen die neunjährige Livia Bufi,
die vor allem mit der ganz allein, ohne Begleitung gesungenen „Ode“
den anrührenden Schlusspunkt setzte. Neben den schauspielerischen sind
ebenso die geschickt einmontierten musikalischen Beiträge
hervorzuheben. Der Helmholtz-Chor ist unter der Leitung von Johannes
Laas (mit Solo-Einlagen von Christine
Heßeler) sicher einer der besten Bonner Schulchöre
geworden. Jella Linnert (Violine), Konstantin
Schürholt (Klavier) und Paul Rittel (Cello)
fügten mit Beethovens „Gassenhauer-Trio“ eine „musikalische
Diskussion“ gestimmter Individuen ein, die noch einen gesonderten
Auftritt in einem Posttower-Konzert rechtfertigt. Anlass zur Hoffnung
gibt auch das Beethoven-Spiel der erst 14jährigen Johanna
Thiele, die Sätze aus der „Appassionata“ und der „Pathetique“
in den abschließenden „Wahlabend“ einwarf.
Trotz des durchwegs hohen Anspruchs
fügte sich auch das 40köpfige Grundschulorchester (Donatusschule und
Beethovenschule) organisch ins Geschehen ein. So konnten auch
unter 10jährige eine Ahnung davon bekommen, welcher Kosmos sich über
der Musik, die sie da spielten, öffnen lässt.
Ein Projekt, dessen Gelingen
erheblichen Aufwand erfordert – nicht nur wegen des auch hier wieder
anspruchsvollen Textes von Solveig Palm,
der dem Verständnis junger Menschen – bewusst – viel abverlangt.
Diesen Anspruch wusste der Kölner Regisseur Joe Knipp durch eine
von großer Spielfreude gekennzeichnete Inszenierung des komplexen
Stoffes aufzulockern. Da der Plenarsaal des Alten Wasserwerks die
vollkommen passende Kulisse bot, auf die das Stück auch zugeschnitten
war, bedurfte es kaum eines Bühnenbildes. Heidi
Hellbergs schwarz-rot-goldene Farbtupfer in den Kostümen,
vor allem aber ihr riesiger origami-gefalteter Kranich über dem „Flügel“,
aus dem Beethoven erklang, bildete gleichwohl ein wundervolles
Gegengewicht zum Bundesadler an der Stirnseite, vor dem die jungen
Menschen gesprochen und gesungen Schiller zitierten: „wo dein sanfter
Flügel weilt“.
Man stelle sich vor: Beethoven kündigt seine Neunte in drei oder vier Versionen an. Für die besser Betuchten gibt es die "Deluxe Version". Vielleicht ein fünfter Satz mit der Ode an die "Sustainability". Für die anderen gibt es nur die "Freude". Wir
wissen ja, dass Geschmack eine Frage der Distinktion ist, die eben am einfachsten durch verschiedene Kunstwerke bzw. Kunstwerkstufen einzulösen ist. Now get it: "Beethoven 9. th Symphony - Deluxe Version. 15 minutes more..."
Goedart Palm
„Wahre Kunst ist eigensinnig, läßt sich nicht in schmeichelnde Formen zwängen.“ Das ist höchst zweifelhaft, wenn die Aussage historisch dialektisch betrachtet wird. Ist nicht gerade Beethoven so entschärft worden, wie er sich das sicher nicht hat träumen lassen? Sponsoring könnte
bereits als Antidot gegen Eigensinn gelten.
Beethovens Immunisierung gegen seine Vereinnahmung in den Wiener Betrieb kann selbstredend nicht unreflektiert auf den Kulturbetrieb der Bundesrepublik Deutschland bezogen werden, auch nicht auf das Beethovenfest in Bonn. Die Frage, die sich Beethoven eher nicht vorlegen lassen musste, ist längst
die, ob Kunst heute überhaupt noch eigensinnig ist. Eigensinn ist in der Politik und der Pädagogik eine vorzügliche Kategorie der Erkenntnis geblieben, in der Kunst ist der Eigensinn zur Pose verkommen. Beethoven kannte das Authentizitätsgerede nicht, das sich in das System Kunst bis hin zu dessen völliger
Folgenlosigkeit einnistete. Die Wichtigtuerei, die den Betrieb heute kennzeichnet, kann Beethoven nicht gemeint haben. Zu reflektieren wäre über die Frage, was denn mit "Formen" gemeint ist. Sind es werkimmanente Formen oder die zahllosen inszenatorischen Zurüstungen, die eigentlich nur noch die Frage
aufwerfen, warum wir hier in Bonn nicht längst eine Beethovenkugel erfunden haben, wenn das denn eine Erfindung sein sollte. Also was bleibt denn von Beethoven, Kunst und Eigensinn übrig, wenn der Betrieb entscheidet?
Goedart Palm
P.S.: "Oskar Negt und ich definieren die Revolution mit dem Wort „Eigensinn“. Es gibt einen im Menschen eingebauten Widerstand, etwas, das nicht gehorcht." (Alexander Kluge). Die Aufführungspraxis im Falle Beethovens kann diesen Anspruch nicht erheben. Es wäre zu verfolgen, ob
Beethoven heute noch revolutionäre Einflüsse auf die Kompositionskunst nachgesagt werden könnten. Sonst wäre Eigensinn im Falle Beethovens nur noch als geschichtliches Phänomen zu beschreiben, das uns aktuell weder psychoästhetisch noch -politisch viel sagt. Wer zu häufig "Eigensinn" apostrophiert,
dem könnte er fehlen.
Goedart Palm
Historisches Projektarchiv
2020 · Beethoven 250
Beethoven 2020
Beethovens Geburtstag naht. Für Internetzeiten sind 8
Jahre eine Ewigkeit. Ein Logo im Jahre 2012 für ein Ereigniscluster im
Jahre 2020 ist womöglich kein Desiderat. Immerhin sind einige Bonner
euphorisch.
Beethoven 2020
Skizze Beethoven 2020: Mein Beethoven sollte ein wenig
dynamisch erscheinen.