Beethoven

Beethoven-Projekte – Archiv

Musiktheater, Beethovenfest und künstlerische Arbeiten von 2005 bis 2020.

Diese Seite führt die zuvor verstreuten Projektseiten chronologisch zusammen. Historische Texte, Datierungen, Beteiligte, Bildfolgen und Projekthinweise bleiben erhalten; die eigenständigen Essays über Beethoven als Mensch, Popfigur und Bildmotiv stehen weiterhin auf ihren eigenen Seiten.

Aus den zunächst einzelnen Musiktheaterprojekten entstand Schritt für Schritt ein größerer Zusammenhang. Schulen, Theater und das Beethovenfest wurden dabei zu wiederkehrenden Partnern und Schauplätzen.

Historisches Projektarchiv

2005 · Beethoven und Schiller

Was Sie schon immer über Klassik wissen wollten, aber nie zu fragen wagten: „Wem der große Wurf gelungen“ führte Beethoven und Schiller in einer fiktiven Begegnung zusammen.

„Ludwig van“ trifft „Friedrich von“

Eine fiktive Begegnung

Am 24. September 2005, 19.30 h in der Halle Beuel

1805: Wenige Tage vor seinem Tod trifft Friedrich Schiller, der fieberhaft an seinem letzten Drama über den falschen Kaiser „Demetrius“ arbeitet, auf den jungen Beethoven. Der hat gerade die Widmung an Napoleon aus seiner „Eroica“ herausgekratzt....

Szenenbild aus „Beethoven und Schiller“, Halle Beuel, 2005
Szenenbild aus „Beethoven und Schiller“, Halle Beuel, 2005.

1827: „O Ihr Menschen, die ihr mich für feindselig, störrisch oder misanthropisch haltet ...“ - Beethoven blickt kurz vor seinem Lebensende auf die Veränderungen der musikalischen Welt und fühlt sich ausgeschlossen. Da trifft er auf ein Gespenst: Schiller, dessen Jugendgedicht er in seine letzte Sinfonie eingebaut hat, ist gerade auf dem Weg vom Massengrab in die Fürstengruft. Braucht die Musik seit der 9. Sinfonie die Sprache? Oder wird in der Romantik die Sprache selbst zur Musik? Wie überlebt man als „Klassiker“ den Tod? ...

2005: Ludwig und Friedrich treffen sich an den Gräbern ihrer nächsten Verwandten: in Bonn auf dem alten Friedhof. Zwei „Untote“ unterhalten sich über Aufstieg und Abstieg der „Klassik“. Richard Wagner und ein deutscher „Großkritiker“ begleiten sie auf dem Weg durch die zwei Jahrhunderte.

Ohne sich je persönlich kennen gelernt zu haben, haben sie gemeinsam ein „Weltkulturerbe“ erschaffen. Zwei Klassiker haben sich zu einem bis heute verstörenden Opus Magnum vereint; im wirklichen Leben – obwohl Zeitgenossen – sind sie sich aber nie begegnet.

Als Schiller vor 200 Jahren mit 45 Jahren starb, war der 11 Jahre jüngere Beethoven noch auf dem steinigen Weg zum „Klassiker“. Wie Schiller hatte er mit der Zensur zu kämpfen. Aber anders als Schiller mochte er sich als Mensch nie in die Gesellschaft einfügen, und rebellierte bis zu seinem letzten Werk gegen die Hörgewohnheiten des Publikums.

Schillers Text und Beethovens Musik verbinden sich im Finale der Neunten Sinfonie zu einem kongenialen, wenn auch bis heute bizarren, schrillen und fragwürdigen Meisterwerk, das zugleich als „Song of Joy“ und „Europahymne“ populistische Qualitäten hat.

Beide definieren ihre jeweilige Rolle als Künstler in der Gesellschaft radikal neu; sie verstehen sich als politisch-moralische Erzieher des Menschen durch Kunst, entwickeln ein neues Selbstbewusstsein als Künstler in der bürgerlichen Gesellschaft und fordern ihr Publikum auf, durch Kunst ihre Kräfte zu sammeln, um die Welt und sich selbst gegen alle Widerstände weiterzuentwickeln. Was können sie uns heute noch sagen? Was hätten diese beiden – wären sie sich je begegnet – mit einander besprochen? Was verband sie in ihrer Zeit und nach ihrer Zeit? Wie hätten sie gegenseitig ihre Künste bewertet? Und vor allem: was hätten sie zu ihrer Rezeption im 19. und im 20. Jahrhundert, und schließlich zu ihrer Stellung im heutigen Kulturbetrieb gesagt? Während sich „Ludwig van“ und „Friedrich von“ unterhalten, scheinen ihre Werke in Ausschnitten auf, musiziert und gespielt von Bonner Schülern.

Worum geht es dabei: Kann man Tote zum Leben erwecken? Oder leben sie vielleicht doch noch?

Und was lebt von Ihnen?

Beethoven auf der Bühne, „Beethoven und Schiller“, 2005
Beethoven auf der Bühne, „Beethoven und Schiller“, 2005.

Im Jahr 2005 erinnert sich die Welt an Friedrich Schillers 200. Todestag. Dass er oft in einem Atemzug mit Beethoven genannt wird, liegt an der 9. Sinfonie, der Vertonung der Ode an die Freude - vielleicht dem bedeutendsten, zumindest einem der berühmtesten Meisterwerke deutscher Klassik. Warum eigentlich? Und wer hat je nach der sonstigen Beziehung der beiden Zeitgenossen gefragt, die so viele Ideale und Ideen verband? Niemand bisher so recht! Trotz aller inneren Nähe sind sich die Zeitgenossen nie begegnet. Beethoven hat trotz größter Verehrung für Schillers Werk und verzweifelter Suche nach geeigneten Opernstoffen kaum eine weitere Schiller-Zeile vertont. Und was Schiller vom berühmtesten Komponisten seiner Zeit wahrnahm, ist bisher unerforscht, allerdings hatte er große Hoffnungen für die zukünftige Bedeutung der Gattung Oper.

Was hätte er zu Beethovens einziger Oper gesagt, die in Schillers Todesjahr von der Zensur erst einmal verboten wurde? Wie hätte eine Begegnung der beiden ausgesehen? Was hätten die beiden Genies miteinander verhandelt? Welche Ideen, welche Werke verbinden sie? Und überhaupt: ist das Ganze noch aktuell? Was interessiert uns heute an Beethoven und Schiller? Wenn wir noch Zugang zu ihren Ideen haben - finden wir sie auch über ihre Gefühlswelten? Warum ist Pathos so unzeitgemäß geworden? Was drückt es aus? Was würden Schiller und Beethoven heute dem Bundeskanzler sagen, einem Flutopfer oder einem Selbstmordattentäter? Oder raunen sich vielleicht zwei alte Damen, die nebeneinander in Bonn auf dem Alten Friedhof liegen, Anekdoten über ihre bedeutenden Angehörigen zu: Mutter van Beethoven und Ehefrau von Schiller? Dies sind nur einige der vielen möglichen Fragen und Perspektiven einer fiktiven Begegnung zwischen den beiden Genies.

Wie funktioniert die Umsetzung: Mit Hilfe von Ausschnitten aus Schillers Werken, sonstigen Ideen und Zitaten aus ihren schriftlichen Äußerungen sowie Musikbeispielen von Beethoven (u.a.), aber auch durch visuelle Veranschaulichungen (Videos und/oder digitale Animation etc.) sollen der „Geist der Klassik“, der die beiden verband, aber auch die gemeinsamen Spuren vor Ort in Bonn erforscht werden. Das Ergebnis wird ein Musik/Theater-Projekt in der Halle Beuel werden, in dem die Begegnung von Schiller und Beethoven Gestalt gewinnt, zur Wirklichkeit wird, wobei ihre Gespräche (möglicherweise aus Zitaten zusammengestellt) nur den Rahmen bieten sollen, um Werke und Ideen selbst sprechen zu lassen.

Ziel ist es, auch einen kleinen Überblick über Beethovens und Schillers zentrale Werkideen zu geben und diese auf ihre heutige Aktualität zu befragen. Beispiele und mögliche Ansätze hierfür sowie Hilfe bei den Recherchen sind bei den Projektpartnern abrufbar.

Was ist die Herausforderung an Schüler und Schulen: Die Herausforderung für Schüler wird darin liegen, geeignete Ausschnitte und Beispiele zu finden, herauszustellen und vorzuspielen. Gefragt sind vor allem die Theater-AGs, aber auch engagierte Deutsch- und Musikkurse, Schul-Chöre und Musizierende, gerne auch Philosophie (Schillers Ästhetik) und ev. Geschichtskurse (Schillers historische Schriften).

Da jede Schule nur wenige, kürzere Bausteine beisteuern sollte, ist der Vorbereitungs­aufwand für die einzelne Gruppe überschaubar. Idee ist bisher, nach Sichtung und Auswahl der von den Schülern vorgeschlagenen Module einen Dialog Schiller-Beethoven zu erarbeiten, in dem die Werkbeispiele eingeblendet werden. Die Projektpartner (Theater-Profis, Drama­turgie, Musikwissenschaftler) stehen dabei mit Rat und Tat zur Seite. Die Zusammensetzung der vorgeschlagenen Bausteine wird von den Beteiligten gemeinsam festgelegt. Die Kooperation verschiedener Schulen und Schulformen in der Region in und um Bonn könnte ein Anstoß für zukünftige gemeinsame Projekte sein.

Mitwirkende von „Beethoven und Schiller“ beim Schlussapplaus, 2005
Mitwirkende von „Beethoven und Schiller“ beim Schlussapplaus, 2005.

Bisher sind für das Schiller-Beethoven-Projekt zwei Aufführungen am 24. September 2005 in der Halle Beuel vorgesehen: eine Vormittagsvorstellung für Schulen sowie eine Nachmittags- oder Abendvorstellung. Die Generalprobe findet am 23. September in der Halle Beuel statt. Weitere Probentermine in geeigneten Proberäumen des Schauspiels werden noch angesetzt. Eine weitere Aufführung im Rahmen des Bonner Schulkultur-Festivals (27.11.-4.12.05) und weitere Schulaufführungen sind bei Erfolg und Interesse möglich. Inhalt, Ablauf und Beteiligte müssen bis zu den Sommerferien feststehen und die Proben aufgenommen haben. Da der Koordinierungsaufwand hoch ist, bitten wir um Rückmeldung nach Möglichkeit noch vor den Osterferien!

Projektprofi für Dramaturgie und Bühnenumsetzung: Nikolaus Büchel, Theater Bonn.

Für Projektrecherchen: Beethoven-Haus Bonn, Martella Guttierez-Denhoff.

Ensemble von „Beethoven und Schiller“ beim Schlussapplaus, 2005
Ensemble von „Beethoven und Schiller“ beim Schlussapplaus, 2005.
Eintrittskarte zur Aufführung in der Halle Beuel am 24. September 2005
Eintrittskarte zur Aufführung in der Halle Beuel am 24. September 2005.

Einrichtung und Regie: Nikolaus Büchel, Theater Bonn · Text, Dramaturgie und Organisation: Solveig Palm · Ton- und Bildtechnik: Daniel Werner

Videoprojekt „Ode an die Freude“: Mokebia Enyuka, Lina Zimmermann, Otto Bartz, Nicklas Hergel, Eckart Rüther

Eine erste Bilderlese dokumentiert die Uraufführung von „Ludwig van trifft Friedrich von“.

Besetzung · erster Teil

1. Teil (1805) · Schiller: Damian Braschczok · Beethoven: Gerald Liebenow · Aus Schiller-Werken: · Sapieha: Martin Grützner · Don Carlos: Thorben Peters · Marquis Posa: Jan-Martin Lellek · König Philipp II.: Michael Engels · Karl Moor: Nikolas Heurich · Gedichte: · Würde der Frauen: Kornelia Köster, Anne Kurka, Sonja Körner, Mona Weber, Linda Wendemuth, Alex Kunze, Sven Romberg · Macht des Gesangs: · Helena Barop, Agnes Decker · Dramaturg: Dominik Söns · Publikum: Helena Barop, Katrin Jeschenko, Christoph Heiliger, Felix Stadler · - Pause -

Besetzung · zweiter Teil

2. Teil (1827) · Schiller: Felix Stadler · Dramaturgin/Texte: Katrin Jeschenko · Nänie: Helena Barop · Hyperions Schicksalslied: Agnes Decker · Egmont: Damian Braschczok · Eichendorff-Gedicht: Agnes Decker · E.T.A. Hoffmann: Martin Grützner · Felix Mendelssohn: Evghenii Ghittenstein · Goethe: Martin Grützner · Andreas Streicher: Christoph Heiliger

Besetzung · dritter Teil

3. Teil (2005) · Schiller: Felix Stadler · Beethoven: Nikolas Heurich · Großkritiker: Gerald Liebenow · Edison: Martin Grützner

Musik

„Allegro con brio„ aus Klaviertrio op. 1 Nr. 3 · Rondo a capriccio „Die Wut über den verlorenen Groschen„ · · „Largo„ aus Sonate op. 10 Nr. 3 · Evghenii Ghittenstein · Sonate op. 13 Nr. 8 „Pathetique“, 1. Satz · Christian Casleanu · 1. Satz d. 5. Sinfonie (Klavierfassung) · Eike Block, Thanh Mai Nguyen · Chöre: „Ode an die Freude“, Fidelio · Kammerchor Oberpleis · Solistin: Irina Brochin

Bühnenszene aus „Beethoven und Schiller“, 2005
Bühnenszene aus „Beethoven und Schiller“, 2005.

Gerald Liebenow verkörperte einen selbstbewussten Beethoven; Damian Braschczok stellte Schiller differenziert und als zwiespältige Künstlernatur vor. Auch auf Zwischenrufe des „Publikums“ blieb seine Figur keine Antwort schuldig.

Bühnenszene „Frauenpower“, „Beethoven und Schiller“, 2005
Bühnenszene „Frauenpower“, „Beethoven und Schiller“, 2005.

Würde der Frauen: Kornelia Köster, Anne Kurka, Sonja Körner, Mona Weber, Linda Wendemuth.

Felix Stadler spielte den bereits im Totenreich angekommenen, dennoch jugendlich wirkenden Schiller; im Hintergrund erschien Dominik Söns als Beethoven.

Dominik Söns zeigte Beethoven genialisch, energisch und misanthropisch zugleich; im Vordergrund war Helena Barop im vollen Einsatz.

Christoph Heiliger als Richard Wagner und Nikolas Heurich als Beethoven, 2005
Christoph Heiliger als Richard Wagner und Nikolas Heurich als Beethoven, 2005.

Richard Wagner (Christoph Heiliger), der selbstbewusst (siehe oben) seine Kunst als Filmkunst des 21. Jahrhunderts projiziert, und Beethoven (Nikolas Heurich), der nicht nur den Meister beherrschte, sondern auch einen sehr überzeugenden Eindruck des Räubers Karl Moor vorstellte.

Christoph Heiliger als Richard Wagner erläutert sein Gesamtkunstwerk, 2005
Christoph Heiliger als Richard Wagner erläutert sein Gesamtkunstwerk, 2005.

Beethoven und Schiller sind skeptisch. Thomas Alva Edison (Martin Grützner) bevorzugt Digitalmedien und Sensor round.

Gerald Liebenow als Marcel Reich-Ranicki in „Beethoven und Schiller“, 2005
Gerald Liebenow als Marcel Reich-Ranicki in „Beethoven und Schiller“, 2005.

Mit neuen Medien und veränderten Hörgewohnheiten werden auch die Klassiker neu positioniert.

Solveig Palm im Kreis der Mitwirkenden; rechts Thanh Mai Nguyen am Klavier, 2005
Solveig Palm im Kreis der Mitwirkenden; rechts Thanh Mai Nguyen am Klavier, 2005.

Einrichtung und Regie: Nikolaus Büchel, Theater Bonn · Text, Dramaturgie und Organisation: Solveig Palm

Michael Engels (König Philipp II.), Thorben Peters (Don Carlos), Thanh Mai Nguyen (Klavier), Eike Block (Klavier), Martin Grützner (Sapieha, E.T. Hoffmann, Johann Wolfgang von Goethe, Thomas Alva Edison), Evghenii Ghittenstein (Felix Mendelssohn und Klavier).

Solveig Palm und Manfred Jung (Beethoven Bonnensis) bedanken sich bei den Mitwirkenden.

Wir danken den beteiligten Schulen: Bertolt Brecht-Gesamtschule; Clara-Fey-Gymnasium; Gesamtschule Troisdorf; Gymnasium Collegium Josephinum Bonn; Hardtberg-Gymnasium Bonn; Otto Hahn-Gymnasium, Bergisch Gladbach; Otto-Kühne-Schule, Bad Godesberg; Tannenbusch-Gymnasium, Bonn.

insbesondere Thomas Butzlaff, Eckart Rüther, Friedhelm Roth-Lange und Manfred Sieburg für engagierte Kooperation.

Für die Betreuung durch das Theater Bonn gilt unser Dank vor allem: Günter Riebl und Karsten Meyer (Technik) Simon Valentin und Adelheid Pohlmann (Kostüme), Heike Beuke (Maske), Alexandra Freyer (Requisite), Andreas Stubenrauch (Inspizient) Dieter Saß (Ton) Frank Berg (Licht)

Die musikalische Einstudierung der Klavierfassung der 5. Sinfonie besorgte Beatrix Ebersberg, Musikschule Bonn. Vielen Dank!

Der GENERAL-ANZEIGER hat in seiner Ausgabe vom 26.09.2005 einen längeren Bericht über die Veranstaltung gegeben.

Eine Produktion von Beethoven Bonnensis in Kooperation mit dem Theater Bonn im Rahmen des Beethovenfests 2005.

Mitwirkende hinter der Bühne bei den Vorbereitungen, 2005
Mitwirkende hinter der Bühne bei den Vorbereitungen, 2005.

Der 2005 erprobte Musiktheatergedanke wurde im folgenden Jahr fortgeführt. Auch „Gefühlte 56“ verband klassische Musik, Spiel und szenische Erkundung zu einem gemeinsamen Jugendprojekt.

Historisches Projektarchiv

2006 · Gefühlte 56

Gefühlte 56 - Zitat Ulrike Strauch, General-Anzeiger v. 17.08.2006: "Gefühlte 56 - 100 Jahre Klassik" heißt das Musik- und Theaterprojekt, das am Samstag, 23. September, im Lampenlager der Halle Beuel Premiere feiert und damit die 2005 mit "Ludwig van trifft Friedrich von" begonnene dramatische Reihe fortsetzt."

100 Jahre Klassik

Musik/Theaterprojekt von Beethoven Bonnensis

in Kooperation mit dem Theater Bonn zum Beethovenfest 2006

Zwei nicht ganz unbekannte Herren aus Düsseldorf unterhalten sich im Jahr ihres Todes über Mozarts 100. Geburtstag. Was verbindet sie mit dem Wegbereiter der Klassik, mit dem musikalisch unübertroffenen Anti-Intellektuellen Mozart? Und was hat der mit „56“ verstorbene Beethoven dazu beizutragen? Was sagt Musik über Gefühlslagen und Gefühlsmöglichkeiten aus, und wie verändern sich diese von der Früh- bis zur Spätklassik? Bleibt „Romantik“ bis heute aktuell oder begann damals das Zeitalter der „coolen“ Ironie? Im Jahr 2006 ist es das Stichwort „Emotionale Intelligenz“, unter dem sich einige Jubilare in einer Talkshow versammelt haben. Musikalität und Gefühl, auch unter der Lupe der Psychoanalyse - illustriert durch mehrere Musikbeiträge – werden hier auf der Couch verhandelt.

Solveig Palm, Projekt + Text

14 junge Talente aus Bonn und Umgebung demonstrieren als Darsteller, Musiker und Sänger die Spannungsfelder zwischen Sprache und Musik.

Heine: Nikolas Heurich . Schumann: Roman Thieltges . Mozart: Felix Stadler . Beethoven: Philipp Werner . Freud: Martin Aselmann . Moderatorin: Agnes Decker . Musik: Theresa Lier, Benjamin Nuss, Felix Wahl, Klavier, Elisa + Eleni Wittbrodt, Violine, Emily Wittbrodt, Violoncello, Nico Heinrich, Merveille Mubakemeschi, Gesang . Text und Produktion: Solveig Palm, Beethoven Bonnensis mit Unterstützung des Theater Bonn

Das Projekt ist die Fortsetzung des im vergangenen Jahr sehr erfolgreichen, und mit dem Beethoven Bonnensis-Förderpreis ausgezeichneten Beethoven-Schiller-Stücks „Wem der große Wurf gelungen“, in dem zum ersten Mal das Verhältnis von Sprache und Musik thematisiert wurde.

Premiere: Samstag, 23. Sept. 2006, 20.00 Uhr

In der Halle Beuel, Spielstätte Lampenlager

Weitere Aufführungen: 26. und 29. Sept. 2006 ebenda

Titelmotiv des Musiktheaterprojekts „Gefühlte 56“, 2006
Titelmotiv des Musiktheaterprojekts „Gefühlte 56“, 2006.

Die Moderatorin durchläuft eine Verwandlung, während das Stück Musik, Gefühl und Romantik als möglicherweise auseinanderführende Wege untersucht.

Die Figuren fragen, ob sich Ludwig van Beethoven psychoanalysieren lässt. Freud bekommt eine zweite Chance, Heine amüsiert sich über Schumann, und Freud prüft, ob seine Instrumente taugen, die deutsche Romantik sowie das Verhältnis von Vernunft, Gefühl und Musik zu untersuchen.

Mozart flieht vor der Analyse; Heine macht sich über deutsche Abgründeleien lustig und muss schließlich erwägen, ob er nicht selbst zu diesem Kreis gehört.

Mozart und Heine reagieren ausgelassen, während Schumann und Freud skeptisch bleiben. Schließlich landet auch Freud auf der Couch, bevor der Vorhang fällt.

14 junge Talente aus Bonn und Umgebung demonstrieren als Darsteller, Musiker und Sänger die Spannungsfelder zwischen Sprache und Musik.

Heine: Nikolas Heurich . Schumann: Roman Thieltges . Mozart: Felix Stadler . Beethoven: Philipp Werner . Freud: Martin Aselmann . Moderatorin: Agnes Decker . Musik: Theresa Lier, Benyamin Nuss, Felix Wahl, Klavier, Elisa + Eleni Wittbrodt, Violine, Emily Wittbrodt, Violoncello, Nico Heinrich, Merveille Mubakemeschi, Gesang . Text und Produktion: Solveig Palm, Beethoven Bonnensis mit Unterstützung des Theater Bonn

Impressionen zu einem Musik/Theaterprojekt von Beethoven Bonnensis

in Kooperation mit dem Theater Bonn zum Beethovenfest 2006

Zu den dokumentierten Mitwirkenden gehören Benyamin Nuss, Theresa Lier, Emily Wittbrodt, Elisa und Eleni Wittbrodt sowie Nico Heinrich.

Solveig Palm und Inspizient Martin Grützner während der Produktion.

Die Impressionen zeigen Mozart als genialischen Außenseiter und Heinrich Heine in der Matratzengruft.

Theresa Lier spielte Klavier, Elisa und Eleni Wittbrodt Violine und Emily Wittbrodt Violoncello.

Heine: Nikolas Heurich . Schumann: Roman Thieltges . Mozart: Felix Stadler . Beethoven: Philipp Werner . Freud: Martin Aselmann . Moderatorin: Agnes Decker . Musik: , Benyamin Nuss, Felix Wahl, Klavier, Elisa + Eleni Wittbrodt, Violine, Emily Wittbrodt, Violoncello, Nico Heinrich, Merveille Mubakemeschi, Gesang . Text und Produktion: Solveig Palm, Beethoven Bonnensis mit Unterstützung des Theater Bonn

Solveig Palm hat alle Hände voll zu tun, aber die Hände im Hintergrund sind die von Leonard Palm.

Mit „Bühne frei“ weitete sich der Blick vom einzelnen Bühnenprojekt auf eine breitere musikalische Beteiligung. Schulen und junge Musikerinnen und Musiker traten nun stärker im Umfeld des Beethovenfests hervor.

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2007 · Bühne frei

2007 · Eröffnungsfest „Bühne frei für Beethoven“

Aus der damaligen Ankündigung der Stadt Bonn: Solisten sowie kleine und große Ensembles präsentierten Musik verschiedener Epochen und Stilrichtungen – von der Klassik bis zum Big-Band-Sound. Für das Musikprogramm war Dr. Solveig Palm verantwortlich.

Philipp Werner spielte am Klavier eine eigene Meditation in Es-Dur.

Junge Musikerinnen und Musiker auf der Bühne in der Bonngasse, „Bühne frei“, 2007
Junge Musikerinnen und Musiker auf der Bühne in der Bonngasse, „Bühne frei“, 2007.
Hanna Bölting am Violoncello und Felix Wahl am Klavier, „Bühne frei“, 2007
Hanna Bölting am Violoncello und Felix Wahl am Klavier, „Bühne frei“, 2007.

Hanna Bölting am Violoncello und Felix Wahl am Klavier spielten Astor Piazzollas „Le Grand Tango“ sowie Musik von Sergei Rachmaninow.

Aus diesen Begegnungen entwickelte sich ein dauerhaftes Netzwerk mit unterschiedlichen Veranstaltungsformen. „Ludwig van B.“, „Klanggrund“ und die Beiträge zum Beethovenfest dokumentieren diese Erweiterung.

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2008–2009 · Ludwig van B., Klanggrund und Beethovenfest

„Ludwig van B.“ – Netzwerk Schule und Kultur für musikalische Jugendarbeit in Bonn
„Ludwig van B.“ – Netzwerk Schule und Kultur für musikalische Jugendarbeit in Bonn.

Das Netzwerk „Ludwig van B.“

  • Klassik, die junge Menschen begeistert
  • ein lebendiges Netzwerk zahlreicher Schulen und Kultureinrichtungen
  • Violine trifft Flöte trifft Klavier trifft Gesang: musikalische Begegnungen auch jenseits der eigenen Schule
  • kreatives Musiktheater auf hohem Niveau
  • jährliche Eröffnung des Beethovenfests mit mehr als 1.000 Schülerinnen und Schülern auf Bühnen in der ganzen Stadt
  • musikalisches Coaching für herausragende Ensemblearbeit
  • Begegnungen mit bedeutenden Künstlerinnen und Künstlern des Beethovenfests
  • neue Erfahrungswelten mit Klassik für junge Menschen
  • Workshops und Meisterkurse
  • mehr als 100 engagierte Musikpädagoginnen, Musikpädagogen und Kulturfachleute, die ehrenamtlich mitwirken

In allen bedeutenden Konzertstädten der Welt – Bonn hat gute Gründe, eine solche zu werden - setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass musikalisches Interesse – soll es über die kommerziellen Medienangebote hinausgehen - Erziehungsanstrengungen erfordert. Ein attraktives Konzert-Angebot allein reicht nicht mehr, um insbesondere ein junges Publikum zu erreichen.

Stefan Blunier dirigierte das Beethoven Orchester Bonn beim Beethovenfest 2009.

Publikum und Bühne bei „Bühne frei für Beethoven“, 2009
Publikum und Bühne bei „Bühne frei für Beethoven“, 2009. Foto: Goedart Palm.

Bühne frei für Beethoven 2009 - die Stimmung ist gut, aber das Wetter schlecht.

Mehr als 1.400 junge Musikerinnen und Musiker prägten das Stadtprojekt.

Maria-Theresia van Schewick, Solveig Palm und Manfred van Rey gehörten zu den Mitwirkenden des Eröffnungsfests.

Stephan Eisel am Klavier bei „Bühne frei für Beethoven“, 2009
Stephan Eisel am Klavier bei „Bühne frei für Beethoven“, 2009. Foto: Goedart Palm.

Maria-Theresia van Schewick und Manfred van Rey begleiteten den Auftritt von Stephan Eisel.

Bühne frei für Beethoven 2009 - Postgasse

Am 30. August 2008 hat Frau Solveig Palm beim Eröffnungsfest des Beethovenfestes zum ersten Mal den "Klanggrund" gegen manche Bedenkenträger aus der Taufe gehoben. Nun hoffen wir auf ein Angebot der Veranstalter, hier auch die musikalische Jugend aus Bonn präsentieren zu dürfen. Deshalb nachfolgende Mitteilung - ob für einen redaktioneller Beitrag, oder als Leserbrief überlasse ich gern Ihnen.

Solange wir uns noch gute "Gründe" für "Klang" schaffen, herrscht noch das Prinzip Hoffnung: dass Kultur für alle Menschen da ist, und sie manchmal auch da abholen kann, wo sie es vielleicht gerade am dringendsten brauchen, das wurde vor 15 Monaten zum ersten Mal im "Klanggrund" bewiesen. Gegen mancherlei Bedenken wurde zur Eröffnung des Beethovenfestes 2008 der Standort vor dem Bahnhof mit dieser Bezeichnung als eine von sieben Bühnen der Open-Air-Veranstaltung "Bühne frei für Beethoven" aus der Taufe gehoben - mit großem Erfolg!

Der General-Anzeiger schrieb dazu am 29.8.2008 im Feuilleton unter der Überschrift "Auch der Bahnhof wird bespielt" im Text: "Ein neuer musikalischer Standort ist der 'Klanggrund' statt Bonner Loch. Auch die mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisenden Besucher der Stadt sollen an diesem Samstag mit Musik empfangen werden. Deshalb gibt es erstmalig auch an der Bahnhofsunterführung einen 'Klanggrund' im doppelten Sinne. Mehr als 100 musizierende Schülerinnen und Schüler präsentieren hier mit sechs verschiedenen Ensembles die einladende Beethovenstadt Bonn... Solveig Palm ... organisiert den Auftritt von rund 750 Schülern und 300 Musikschülern...".

Auch die WDR-Lokalzeit hatte dies zum Anlass genommen, aus dem "klanggrund" erstmalig über das Eröffnungsfest zu berichten.

Auch zum Beethoven-Eröffnungsfest in diesem Jahr am 5. September gab es wieder den "Klanggrund" - in diesem Jahr moderiert durch den damaligen Leiter der Gesamtschule Beuel. Wir freuen und bedanken uns, dass er in seiner neuen Funktion als Oberbürgermeister unsere Idee, Bonn-Besucher an dieser Stelle mit Musik (bzw. Kultur) zu begrüßen, aufgegriffen hat und wünschen uns nicht erst für das nächste Beethovenfest, dort wieder mit der musikalischen Bonner Jugend präsent sein zu dürfen, um unter Beweis zu stellen, dass es viele (menschlich durchaus notwendige) "Gründe" für schönen "Klang" gibt - übrigens auch für ganze Orchester, die in Zukunft in der Beethovenstadt beheimatet oder zu Gast sein sollen. Musik ist unsere Zukunft, denn ebenso schlimm, wie die materielle Armut ist die seelische.

Mit „Götterfunken“ wurde das Musiktheater ausdrücklich um eine politische Perspektive ergänzt. Demokratie, Wahljahr und Beethovens politische Rezeptionsgeschichte bildeten den thematischen Rahmen.

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Götterfunken · Musik, Poesie und Demokratie

„Götterfunken“ – Friedrich von, Ludwig van und die Demokratie

Das Musiktheaterstück des Netzwerks „Ludwig van B.“ entstand in Kooperation mit Hardtberg Kultur e. V. und brachte mehr als 100 Schülerinnen und Schüler aus sieben Schulen zusammen.

Darsteller in einer Debattenszene aus „Götterfunken“, 2009
Darsteller in einer Debattenszene aus „Götterfunken“, 2009.

Was sind schon 60 Jahre gegen 250? Aus Anlass von Schillers Geburtstag und des Verfassungsjubiläums begegnet der Dichter in Bonn seinem großen musikalischen Zeitgenossen.

Zwischen Vergangenheit und Gegenwart verstricken sich die beiden Klassiker in Fragen der Politik, der Literatur und der Musik – nicht zuletzt über ihre gemeinsame „Ode an die Freude“.

Schülerinnen und Schüler aus acht Schulen in Bonn und Umgebung entwickelten daraus eine theatrale und musikalische Produktion für das Beethovenfest im Alten Wasserwerk. Mehr als 50 Probentage waren für die Vorbereitung angesetzt; die Gesamtaufführung fand am 12. September 2009 im ehemaligen Plenarsaal statt.

Das neue Musiktheaterstück von Ludwig von B. knüpft mit diesem Format an die früheren Erfolge an, die zugleich unterhaltsam und lehrreich sind. Beteiligte Schulen sind u.a.: Donatus-Grundschule, Beethoven-Grundschule, Helmholtz-Gymnasium, Adelheidis-Gymnasium, Konrad-Adenauer-Gymnasium Meckenheim. Musikalische Einstudierung: Johannes Laas, Julia Kartaschowa, Lothar Reiche-Ebert, Annette Chang-Küsche. Bühnenbild + Kostüme: Heidi Hellberg, Regie: Joe Knipp, Produktionsleitung, Text, Dramaturgie: Solveig Palm

Das Projekt wird maßgeblich gefördert durch den Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen und die Stiftung Jugendhilfe der Sparkasse in Bonn.

Denis Leupolt mit Konstanze Palm als Minna Stock, „Götterfunken“, 2009
Denis Leupolt mit Konstanze Palm als Minna Stock, „Götterfunken“, 2009.

Kultur für musikalische Jugendarbeit in Bonn

Christine Heßeler und der Chor des Helmholtz-Gymnasiums unter Leitung von Johannes Laas, „Götterfunken“, 2009
Christine Heßeler und der Chor des Helmholtz-Gymnasiums unter Leitung von Johannes Laas, „Götterfunken“, 2009.
Martin Grützner und Denis Leupolt in einer politischen Debattenszene, „Götterfunken“, 2009
Martin Grützner und Denis Leupolt in einer politischen Debattenszene, „Götterfunken“, 2009.
Bühnenszene mit dem Orchester im Alten Wasserwerk, „Götterfunken“, 2009
Bühnenszene mit dem Orchester im Alten Wasserwerk, „Götterfunken“, 2009.

Freude sprudelt in Pokalen; in der Trauben goldnem Blut "Die "Ode an die Freude", was bedeutet sie heute, in einer Zeit, die mit schwerem Pathos nicht mehr viel anfangen kann? Diese Frage stand im Zentrum der Produktion "Götterfunken", klug in Szene gesetzt von "Ludwig van B.", dem "Netzwerk für musikalische Jugendarbeit in Bonn"." (Von Mathias Nofze, General-Anzeiger vom 14.September 2009).

Konstanze Palm als Minna Stock, „Götterfunken“, 2009
Konstanze Palm als Minna Stock, „Götterfunken“, 2009.

Die Bekenntnisse der Unpolitischen und ihre politischen Wirkungen.

Denis Leupolt und Dominik Söns in „Götterfunken“, 2009
Denis Leupolt und Dominik Söns in „Götterfunken“, 2009.

Die Szenen verbanden Beethoven mit den Freuden und Widersprüchen der Demokratie.

Die Debatte stellte die Frage nach der politischen Mehrheit; Fürst Leo Sapieha, gespielt von Martin Grützner, begegnete ihr mit Skepsis.

Livia Bufi als jüngste Mitwirkende im Finale von „Götterfunken“, 2009
Livia Bufi als jüngste Mitwirkende im Finale von „Götterfunken“, 2009.
Bühnenraum im Alten Wasserwerk vor der Aufführung von „Götterfunken“, 2009
Bühnenraum im Alten Wasserwerk vor der Aufführung von „Götterfunken“, 2009. Foto: Goedart Palm.
Publikum im ehemaligen Plenarsaal des Alten Wasserwerks, „Götterfunken“, 2009
Publikum im ehemaligen Plenarsaal des Alten Wasserwerks, „Götterfunken“, 2009. Foto: Goedart Palm.

Die Inszenierung nahm Schillers Vers „Wem der große Wurf gelungen“ auf und verband ihn mit der Frage nach Freundschaft und gesellschaftlichem Zusammenhalt.

„Ludwig van B.“ – Netzwerk Schule und Kultur, 2009
„Ludwig van B.“ – Netzwerk Schule und Kultur, 2009. Foto: Goedart Palm.
Johanna Thiele am Klavier, „Götterfunken“, 2009
Johanna Thiele am Klavier, „Götterfunken“, 2009. Foto: Goedart Palm.

Johanna Thieles Klavierspiel führte zurück zu Schillers „Freude, schöner Götterfunken“ und zur musikalischen Idee des Projekts.

Beethoven auf der Empore des Alten Wasserwerks, „Götterfunken“, 2009
Beethoven auf der Empore des Alten Wasserwerks, „Götterfunken“, 2009. Foto: Goedart Palm.

Ist dies eine Klassik-Beratung der Politik oder der Unmut des Komponisten über den Verfall seiner Ideale im politischen Alltag?

Chor des Helmholtz-Gymnasiums im Finale von „Götterfunken“, 2009
Chor des Helmholtz-Gymnasiums im Finale von „Götterfunken“, 2009. Foto: Goedart Palm.

Der Chor des Helmholtz-Gymnasiums nahm Schillers „Freude, schöner Götterfunken“ im Finale auf.

Es wirkten mit: Martin Grützner, Denis Leupolt, Konstanze Palm, Moritz Preisler, Alexander Sehan, Dominik Söns (als Darsteller) Chor des Helmholtz-Gymnasiums, Streichorchester der Donatusschule, Streichorchester der Beethovenschule, Bläser-Ensemble der Donatusschule, Livia Bufi, Christine Heßeler (Sopran), Johanna Thiele (Klavier)

Anmerkungen zum Stück „Götterfunken“

Während Paavo Järvi in der Beethovenhalle seinen triumphalen Höhepunkt mit Beethovens Neunter erklomm, sprühten auch im Alten Wasserwerk die „Götterfunken“.

Der GA hat die Idee des dort leider nur einmalig aufgeführten Stücks sehr gut zusammengefasst. Leider wurde es versäumt, auch nur einen einzigen der immer wieder überraschend begabten jungen Menschen, die Solveig Palm für Ihre Stücke zusammenwirken lässt, zu benennen. Weder die Initiatorin, Organisatorin und Autorin dieses Großprojektes wurde namentlich erwähnt noch der Regisseur oder auch nur einer der zahlreichen Protagonisten. Und jeder der hier auf den Punkt eingesetzten Solisten verdient es, hervorgehoben zu werden. Welches Wagnis Solveig Palm in ihren Projekten immer wieder eingeht, ist schon in der Besetzung der beiden Hauptprotagonisten Beethoven und Schiller deutlich: Der 16jährige Moritz Preisler stand mit der großen und anspruchsvollen Rolle als Schiller zum ersten Mal auf einer Bühne und meisterte seine Aufgabe, der energiegeladenen Wut des Beethoven von Dominik Söns (zuletzt zu sehen als „Podesta“ in Mozarts „Gärtnerin aus Liebe“) die besonnene Klarheit der Aufklärung entgegenzusetzen. Je zwei Rollen hatten Alexander Sehan (15) und Denis Leupold (18) zu bewältigen. Als Fernsehmoderatoren, die mit der Lifesituation von Wahlstudios zu kämpfen hatten, aber auch als historische Figuren (Thomas Mann, Körner) ließ Regisseur Joe Knipp ihrer Spielfreude freien Lauf. Als „MRR“, Moderator des literarischen Quartetts (in diesem Fall „Quintetts“) lieferte Martin Grützner eine parodistische Meisterleistung mit viel feuchter Aussprache, vor allem als es um das „Fugen-S“ in der Verfassungspräambel ging, über die im Bundestag jahrelang diskutiert wurde. Die elfjährige Konstanze Palm entzückte als junge Schiller-Freundin Minna Stock und überzeugte mit ihrer besonnenen Intelligenz als „Frau Bundespräsidentin“ das Publikum davon, dass man sich auch mit 11 schon ein Bild von den Aufgaben der Politik machen kann – zumal in einem Wahljahr.

Den Schlusspunkt setzte gleich an mehreren Stellen die neunjährige Livia Bufi, die vor allem mit der ganz allein, ohne Begleitung gesungenen „Ode“ den anrührenden Schlusspunkt setzte. Neben den schauspielerischen sind ebenso die geschickt einmontierten musikalischen Beiträge hervorzuheben. Der Helmholtz-Chor ist unter der Leitung von Johannes Laas (mit Solo-Einlagen von Christine Heßeler) sicher einer der besten Bonner Schulchöre geworden. Jella Linnert (Violine), Konstantin Schürholt (Klavier) und Paul Rittel (Cello) fügten mit Beethovens „Gassenhauer-Trio“ eine „musikalische Diskussion“ gestimmter Individuen ein, die noch einen gesonderten Auftritt in einem Posttower-Konzert rechtfertigt. Anlass zur Hoffnung gibt auch das Beethoven-Spiel der erst 14jährigen Johanna Thiele, die Sätze aus der „Appassionata“ und der „Pathetique“ in den abschließenden „Wahlabend“ einwarf.

Trotz des durchwegs hohen Anspruchs fügte sich auch das 40köpfige Grundschulorchester (Donatusschule und Beethovenschule) organisch ins Geschehen ein. So konnten auch unter 10jährige eine Ahnung davon bekommen, welcher Kosmos sich über der Musik, die sie da spielten, öffnen lässt.

Ein Projekt, dessen Gelingen erheblichen Aufwand erfordert – nicht nur wegen des auch hier wieder anspruchsvollen Textes von Solveig Palm, der dem Verständnis junger Menschen – bewusst – viel abverlangt. Diesen Anspruch wusste der Kölner Regisseur Joe Knipp durch eine von großer Spielfreude gekennzeichnete Inszenierung des komplexen Stoffes aufzulockern. Da der Plenarsaal des Alten Wasserwerks die vollkommen passende Kulisse bot, auf die das Stück auch zugeschnitten war, bedurfte es kaum eines Bühnenbildes. Heidi Hellbergs schwarz-rot-goldene Farbtupfer in den Kostümen, vor allem aber ihr riesiger origami-gefalteter Kranich über dem „Flügel“, aus dem Beethoven erklang, bildete gleichwohl ein wundervolles Gegengewicht zum Bundesadler an der Stirnseite, vor dem die jungen Menschen gesprochen und gesungen Schiller zitierten: „wo dein sanfter Flügel weilt“.

Die folgenden Jahre führten die Arbeit in größeren Beethovenfest- und Stadtzusammenhängen weiter. Die Aufnahmen von 2010 zeigen erneut die Vielfalt der beteiligten Ensembles und öffentlichen Orte.

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2010 · Beethovenfest

2010 · Eröffnungsfest „Bühne frei für Beethoven“

Junges Orchester beim Eröffnungskonzert auf dem Münsterplatz, Beethovenfest 2010
Junges Orchester beim Eröffnungskonzert auf dem Münsterplatz, Beethovenfest 2010.
Bildcollage zum Eröffnungsfest „Bühne frei für Beethoven“, 2010
Bildcollage zum Eröffnungsfest „Bühne frei für Beethoven“, 2010.
Glasbild aus dem Umfeld des Beethovenfests 2010
Glasbild aus dem Umfeld des Beethovenfests 2010.

Nach den großen Aufführungs- und Netzwerkformaten verlagerte sich der Akzent erneut. „Eigensinn“ nahm Beethoven 2012 als widerständige künstlerische Figur in den Blick.

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2012 · Eigensinn

Deluxe Version

Man stelle sich vor: Beethoven kündigt seine Neunte in drei oder vier Versionen an. Für die besser Betuchten gibt es die "Deluxe Version". Vielleicht ein fünfter Satz mit der Ode an die "Sustainability". Für die anderen gibt es nur die "Freude". Wir wissen ja, dass Geschmack eine Frage der Distinktion ist, die eben am einfachsten durch verschiedene Kunstwerke bzw. Kunstwerkstufen einzulösen ist. Now get it: "Beethoven 9. th Symphony - Deluxe Version. 15 minutes more..."

Beethoven-Variation in Blau und Gold zu „Eigensinn“, 2012 „Wahre Kunst ist eigensinnig, läßt sich nicht in schmeichelnde Formen zwängen.“ Das ist höchst zweifelhaft, wenn die Aussage historisch dialektisch betrachtet wird. Ist nicht gerade Beethoven so entschärft worden, wie er sich das sicher nicht hat träumen lassen? Sponsoring könnte bereits als Antidot gegen Eigensinn gelten.
Beethoven-Variation in Blau und Gold zu „Eigensinn“, 2012.

Beethovens Immunisierung gegen seine Vereinnahmung in den Wiener Betrieb kann selbstredend nicht unreflektiert auf den Kulturbetrieb der Bundesrepublik Deutschland bezogen werden, auch nicht auf das Beethovenfest in Bonn. Die Frage, die sich Beethoven eher nicht vorlegen lassen musste, ist längst die, ob Kunst heute überhaupt noch eigensinnig ist. Eigensinn ist in der Politik und der Pädagogik eine vorzügliche Kategorie der Erkenntnis geblieben, in der Kunst ist der Eigensinn zur Pose verkommen. Beethoven kannte das Authentizitätsgerede nicht, das sich in das System Kunst bis hin zu dessen völliger Folgenlosigkeit einnistete. Die Wichtigtuerei, die den Betrieb heute kennzeichnet, kann Beethoven nicht gemeint haben. Zu reflektieren wäre über die Frage, was denn mit "Formen" gemeint ist. Sind es werkimmanente Formen oder die zahllosen inszenatorischen Zurüstungen, die eigentlich nur noch die Frage aufwerfen, warum wir hier in Bonn nicht längst eine Beethovenkugel erfunden haben, wenn das denn eine Erfindung sein sollte. Also was bleibt denn von Beethoven, Kunst und Eigensinn übrig, wenn der Betrieb entscheidet? — Goedart Palm

P.S.: "Oskar Negt und ich definieren die Revolution mit dem Wort „Eigensinn“. Es gibt einen im Menschen eingebauten Widerstand, etwas, das nicht gehorcht." (Alexander Kluge). Die Aufführungspraxis im Falle Beethovens kann diesen Anspruch nicht erheben. Es wäre zu verfolgen, ob Beethoven heute noch revolutionäre Einflüsse auf die Kompositionskunst nachgesagt werden könnten. Sonst wäre Eigensinn im Falle Beethovens nur noch als geschichtliches Phänomen zu beschreiben, das uns aktuell weder psychoästhetisch noch -politisch viel sagt. Wer zu häufig "Eigensinn" apostrophiert, dem könnte er fehlen. — Goedart Palm

Das Jubiläumsjahr 2020 bildet einen späteren Bezugspunkt dieses Archivs. Beethovens 250. Geburtstag führte die über Jahre entwickelten Bild- und Deutungsmotive noch einmal zusammen.

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2020 · Beethoven 250

Beethoven 2020 Beethovens Geburtstag naht. Für Internetzeiten sind 8 Jahre eine Ewigkeit. Ein Logo im Jahre 2012 für ein Ereigniscluster im Jahre 2020 ist womöglich kein Desiderat. Immerhin sind einige Bonner euphorisch.

Beethoven-Variation in Rot zum Jubiläumsjahr 2020
Beethoven-Variation in Rot zum Jubiläumsjahr 2020.
Dynamische Beethoven-Skizze zum Jubiläumsjahr 2020
Dynamische Beethoven-Skizze zum Jubiläumsjahr 2020.

Skizze Beethoven 2020: Mein Beethoven sollte ein wenig dynamisch erscheinen.

Beethoven-Variation in Schwarz und Gold zum Jubiläumsjahr 2020
Beethoven-Variation in Schwarz und Gold zum Jubiläumsjahr 2020.
Ludwig van Beethoven zum 250. Geburtstag, 2020
Ludwig van Beethoven zum 250. Geburtstag, 2020.

Ein persönliches Erinnerungsstück

Zu den persönlichen Erinnerungsstücken des Archivs gehört dieses Blatt, das Solveig Palm als Dank im Zusammenhang mit ihrer Beethoven-Arbeit erhielt. Die Beschriftung „Ludwig van Beethoven, Wien 1822“ verleiht ihm seinen besonderen historischen Bezug.

Erinnerungsblatt mit Notenhandschrift und der Beschriftung Ludwig van Beethoven, Wien 1822
Erinnerungsblatt mit Notenhandschrift und der Beschriftung ‚Ludwig van Beethoven, Wien 1822‘ – Solveig Palm als Dank mit zweihundertjähriger Verspätung übermittelt.